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Layla – Wie Empörte Scheiße zu Geld machen

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16.07.2022

Layla, ein Ballermannhit beherrscht die öffentliche Diskussion trotz Ukrainekrieg, Corona und Inflation. Die Macher wird es freuen. Empörte sind gut fürs Geschäft. Eine Kolumne von Heinrich Schmitz

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Ich werde wohl so um die 10 Jahre gewesen sein, es war also etwa 1968, als mein Vater mit einer gut verpackten LP nach Hause kam. Ein paar Wochen vorher hatte er eine ziemlich geile Stereoanlage von PE erstanden, um die er ein ziemliches Gewese machte. Die hatte um die 2000.–DM gekostet, was damals ziemlich viel Geld war. Als Kind durfte ich die Anlage selbstverständlich nicht anrühren, jedenfalls nicht den Plattenspieler. Okay, der interessierte mich da auch weniger, weil es nur eine Handvoll Schallplatten gab. Die erste Platte, die der befreundete Radio/TV-Händler mit geliefert hatte, war von James Last und wurde gefühlt 10 Mal am Tag abgespielt.

Der Verkäufer hatte die Platte verkauft, weil man da angeblich viel besonders vom Stereoeffekt mitbekam. Außerdem gab es noch eine Demo-LP, mit der der Stereoeffekt erklärt wurde. Die fand ich cool. Da fuhr dann ein Auto von Rechts nach Links und umgekehrt. Später kam dann richtige Musik dazu. Beethovens 9., Liszts Ungarische Rhapsodie Nr. 2, Bach, Verdi, Mozart usw. Das gefiel mir. Irgendwann kam ein Streifzug durch die Welt der Operette mit Peter Alexander dazu, naja, ich musste halt hören, was auf den Teller kam. Gottlob gab es ja BFBS und das Radio durfte ich benutzen, da konnte man „den Diamanten“ ja nicht beschädigen. Meine Beatles und Stones LPs durften nicht auf die heilige Stereoanlage, da gingen ja „die Boxen kaputt“. Nun ja. Ich hätte es vielleicht versucht.

Mein Vater war ein frommer Mann, der regelmäßig zusammen mit meiner Mutter im Kirchenchor sang. Nach den Chorproben trafen sich die Sängerinnen und Sänger jeweils bei einem von ihnen und sangen weiter. Da wurden die bekannten Rheinlieder angestimmt und es wurde Kölsch. Rheinwein, meistens Rheinhessen und für die Damen Likör“chen“ und die Herren Asbach Uralt, kredenzt.

Ich bekam das alles mit, weil mein Kinderzimmer sich über dem Wohnzimmer befand und nur durch eine Holzdecke vom Geschehen entfernt war. Manchmal legte ich auch das Ohr auf den Boden, um nichts zu verpassen.

Eines Tages kam mein Vater mit dieser blickdicht verpackten LP nachhause, die er vor meinen Blicken verbergen wollte. Klappte natürlich nicht. Und nach der nächsten Chorprobe hörte ich dann eine unsägliche Musik mit durchweg „schmutzigen Liedern“. „Ohne Hemd und ohne Höschen“ hieß das Machwerk. Und zu meinem großen Erstaunen sangen, ach was........

© Die Kolumnisten


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