Klarnamenpflicht? |
Friedrich Merz will eine Klarnamenpflicht im Internet. Und man merkt sofort: Da spricht ein Mann, der Kommentarspalten vermutlich für eine Art digitalen Stammtisch hält, wo man nur mal eben das Licht anmachen muss – und zack, benehmen sich alle.
So wie früher, als es noch Anstand gab, Helmut Kohl Kanzler war und man sich online höchstens darüber stritt, ob man „LAN“ mit oder ohne Bindestrich schreibt.
Die Idee klingt auf den ersten Blick herrlich: Wenn jeder mit echtem Namen posten muss, dann hören Hass, Hetze und Trollerei auf.
Ja. Und wenn wir alle im Restaurant ein Namensschild tragen, bestellt keiner mehr Schnitzel.
Ein politischer Trick
Die Klarnamenpflicht ist ein politischer Trick: simpel, hart, falsch
Man muss es so deutlich sagen: Die Klarnamenpflicht ist so eine typische Politik-Idee, die sich gut anhört, weil sie nach Ordnung klingt – aber in Wahrheit nur ein großes, bequemes „Wir tun was!“-Schild ist.
Sie ist der Versuch, ein kompliziertes Problem (Hass, Desinformation, Radikalisierung, Plattformkapitalismus) mit einem einzigen Wort zu erschlagen: „Name.“
Und das ist ungefähr so, als würde man gegen organisierte Kriminalität kämpfen, indem man „Bitte nicht sprengen!“ auf die Bankautomaten klebt.
Anonymität macht eklig
Ja, Anonymität macht Leute eklig – aber Klarnamen machen sie nicht automatisch zivilisiert
Natürlich: Anonymität senkt Hemmungen. Sie macht aus unzufriedenen Menschen manchmal über Nacht moralische Amokläufer.
Aber die Vorstellung, dass Klarnamen das Problem lösen, ist........