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Intransparente Eminenz

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23.01.2021

Der Kölner Kardinal Woelki verhindert seit Monaten die Veröffentlichung eines Gutachtens zum sexuellen Missbrauch innerhalb des Erzbistums Köln. Damit leistet er der katholischen Kirche einen Bärendienst.

Bild von Cheyenne Reeves auf Pixabay
Was hatte er nicht getönt. Aufklärung sollte es geben, Transparenz. Täter und Vertuscher sollten genannt werden. Dafür wurde eigens die Münchener Anwaltskanzlei Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl mit der Erstellung eines unabhängigen Gutachtens beauftragt. Das wurde auch abgeschlossen. Aber es wird nicht veröffentlicht. Transparenz? Pustekuchen. Aufklärung? Drauf geschissen.

Zur Begründung dafür, dass das Erzbistum das fertige Gutachten zurückhält und die Öffentlichkeit nicht erfährt, was dort aus den Akten der Kirche ermittelt wurde, für der Kardinal angegeben, das Gutachten sei „nicht gerichtsfest“ und enthalte Mängel. Worin diese angeblichen Mängel bestehen, bleibt das lila Geheimnis von Woelki. Ich kenne das Gutachten natürlich nicht und kann nicht behaupten, dass das anders wäre. Zweifel an der Darstellung Woelkis bleiben aber erlaubt.

Es mag ja sein, dass das Gutachten irgendwelche Mängel enthält, allerdings scheint das Erzbistum diese selbst gar nicht zu kennen. So antwortet das Erzbistum auf seiner homepage auf die Frage,

Wer in- und außerhalb des Erzbistums kennt das Westpfahl Spilker Wastl-Gutachten oder den Teil IX „Persönliche Verantwortlichkeiten“?

wie folgt:

Das Erzbistum Köln hat es ausdrücklich abgelehnt, das Gutachten in vollständiger Form oder in Teilen zur Verfügung gestellt zu bekommen. Keinem Verantwortlichen des Erzbistums Köln ist der Inhalt des Gutachtens bekannt. Außerhalb des Erzbistums hatten im Zuge der Überprüfung neben Herr Prof. Dr. Dr. h.c. Streng, Herr Prof. Dr. Jahn und des Anwaltsteams von Prof. Dr. Gercke ausschließlich die äußerungsrechtlich beauftragten Rechtsanwälte Zugang zu dem Gutachten, die sich alle zuvor der Verschwiegenheitsverpflichtung gegenüber dem Erzbistum Köln unterworfen hatten.

Das hat was. Der Auftraggeber eines unabhängigen Gutachtens, das bestimmt einen großen Griff in den Klingelbeutel gekostet haben dürfte, lehnt es ausdrücklich ab, das von ihm in Auftrag gegebene Gutachten überhaupt zur Verfügung........

© Die Kolumnisten


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