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In der Haft verhungern lassen

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26.06.2021

Im Haftkrankenhaus Fröndenberg in NRW verhungerte ein Häftling. Das NRW-Justizministerium meint, das sei okay. Eine Kolumne von Heinrich Schmitz

Bild von Gia Conte-Patel auf Pixabay

Der Mann hatte seine Frau getötet, angeblich weil sie ihn beleidigte hatte. Das war zwar ein nichtiger Anlass, aber das Landgericht verurteilte ihn nicht etwa wegen Mordes, sondern „nur“ wegen Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und neun Monaten.Der Mann, der bereits Rentner war, aber immer noch als Diplom-Ingenieur Aufträge erledigte, war durch die Coronakrise erstmalig zur Arbeitslosigkeit verdammt gewesen und grübelte zunehmend über seine eigene Bedeutungslosigkeit. Der im Hauptverfahren zuständige Gutachter bescheinigte ihm eine depressive Episode. Am Tattag hatte der Verurteilte dann ordentlich Bier getrunken. Das Gericht sah infolgedessen und wegen der depressiven Episode eine verminderte Schuldfähigkeit. Gegen die Höhe der Strafe kann man nicht viel einwenden.

Also kam der Mann in Haft. Kurze Zeit später, am 13.12.2020 war er tot. Verhungert. In einem Haftkrankenhaus.

Für das Justizministerium ist das scheinbar in Ordnung so. In der JVA Aachen habe der Mann Essen und Trinken eingestellt. Die JVA meint, da habe man nichts machen können. Eine Zwangsernährung sei ausgeschlossen gewesen, weil der Mann bei seinem Entschluss nichts mehr zu sich zu nehmen „voll einsichtsfähig“ gewesen sei. Ja, wenn das denn so wäre, dann hätte der selbstverständlich das Recht gehabt, sich durch Nahrungsverweigerung das Leben zu nehmen. Suizid ist nicht nur erlaubt, er darf auch nicht gegen den Willen eines einsichtsfähigen Menschen........

© Die Kolumnisten


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