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Friedensphilosophen – Ein offener Offenbarungseid

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02.07.2022

Einige Personen, bekannt aus Film, Funk und Talkshows veröffentlichen einen offenen Brief zum Krieg in der Ukraine. Ein Armutszeugnis. Eine Kolumne von Heinrich Schmitz

Bild von morhamedufmg auf Pixabay

Der undiplomatischste Diplomat, den ich je erlebt habe, der ukrainische Botschafter in DeutschlandUnd da hatteU, Andrij Melnik, hatte deutliche Worte auf Twitter:

Nicht schon wieder, what a bunch of pseudo-intellectual loosers.

Und die AutorInnen sollten sich endlich mit ihren

defätistischen ‚Ratschlägen‘ zum Teufel scheren.

Ausnahmsweise hat Melnik, den man ansonsten ob seiner Sympathie für Bandera Nachhause schicken sollte, mal Recht.

Hintergrund ein offener Brief, der von folgenden mehr oder weniger bekannten Menschen initiiert wurde:

Jakob Augstein (Publizist), Richard A. Falk (Professor für Völkerrecht), Svenja Flaßpöhler (Philosophin), Thomas Glauben (Professor für Agrarökonomie), Josef Haslinger (Schriftsteller), Elisa Hoven (Professorin für Strafrecht), Alexander Kluge (Filmemacher und Autor), Christoph Menke (Professor für Philosophie), Wolfgang Merkel (Professor für Politikwissenschaft), Julian Nida-Rümelin (Philosoph), Robert Pfaller (Philosoph), Richard D. Precht (Philosoph), Jeffrey Sachs (Professor für Ökonomie), Michael von der Schulenburg (ehemaliger UN-Diplomat), Edgar Selge (Schauspieler), Ilija Trojanow (Schriftsteller), Erich Vad (General a. D., ehemaliger Militärberater von Angela Merkel), Johannes Varwick (Professor für internationale Politik), Harald Welzer (Sozialpsychologe), Ranga Yogeshwar (Wissenschaftsjournalist), Juli Zeh (Schriftstellerin)

Da kommt also einiges von rings bis lechts zusammen. Vom Freitag bis zur Sezession sozusagen. Könnte ja auch mal was Gutes bei rauskommen, wenn man über die Lager hinaus denkt. Und dann noch für so ein hehres Ziel wie den Frieden, denk ich noch und beginne zu lesen. Und dann die große Enttäuschung.

Europa steht vor der Aufgabe, den Frieden auf dem Kontinent wiederherzustellen und ihn langfristig zu sichern. Dazu bedarf es der Entwicklung einer Strategie zur möglichst raschen Beendigung des Krieges.

Ja, tolle Idee. Und nun hat diese Gruppe aus selbsternannten Philosophen und was auch immer sich in ein Konklave begeben und eine solche Strategie entwickelt? Ach nee, doch nicht. Stattdessen:

Die Ukraine hat sich unter anderem dank massiver Wirtschaftssanktionen und militärischer Unterstützungsleistungen aus Europa und den USA bislang gegen den brutalen russischen Angriffskrieg verteidigen können.

Na das ist doch immerhin mal die Feststellung, dass es einen brutalen russischen Angriffskrieg gibt. Dass die Ukraine sich gegen diesen verteidigt, ist nicht nur ihr Recht, es ist geradezu Voraussetzung für das von den Appellanten genannte Ziel, den Frieden auf dem Kontinent wieder herzustellen. Täte sie das nicht, würden die russischen Truppe gleich weiter marschieren. Unrecht würde zu Recht.

Und dass sie sich bisher verteidigen konnte, hat die Ukraine in erster Linie ihrer Armee und ihrer Bevölkerung zu verdanken. Die militärischen Unterstützungsleistungen aus dem Westen sind bisher eher mau, was hoffentlich nicht so bleiben wird.

Je länger die Maßnahmen fortdauern, desto unklarer wird allerdings, welches Kriegsziel mit ihnen verbunden ist. Ein Sieg der Ukraine mit der Rückeroberung aller besetzten Gebiete einschließlich der Oblaste Donezk und Luhansk und der Krim gilt unter Militärexperten als unrealistisch, da Russland militärisch überlegen ist und die Fähigkeit zur weiteren militärischen Eskalation besitzt.

Ach was. Unter den Militärexperten, die da gemeint sein könnten, ist vermutlich der Mitunterzeichner Vad, der bisher mit seinen Prognosen meistens zielgenau daneben lag.

Also für mich ist das Kriegsziel, wenn man das überhaupt so nennen soll, wenn jemand , der überfallen wird sich verteidigt, ziemlich einfach. Der Aggressor soll gefälligst dahin zurück, wo er hergekommen ist und das fremde Staatsgebiet verlassen. Ich weiß nicht, wieso die Fernsehspezialisten da so große Probleme haben, das Kriegsziel der Ukraine und des Westens zu erkennen. Welches Ziel Putin verfolgt, kann man jeden Tag in........

© Die Kolumnisten


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