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Facebook ist doof!

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17.04.2021

Nutzer von Facebook sind immer wieder überrascht, wenn ihre Beiträge plötzlich gelöscht und/oder ihr Account für mehr oder weniger lange Zeit gesperrt wird. Ist Facebook doof? Eine Kolumne von Heinrich Schmitz

Foto: Bea Haas

Meine Facebookexistenz besteht seit Ende 2009. In dieser Zeit bin ich recht aktiv gewesen, meine Frau meint zu aktiv – was ich nicht bestreiten kann. Trotz der langen Zeit und einer Vielzahl von Posts und Kommentaren bin ich bisher einmal für einen Tag gesperrt worden, weil ich angeblich ein Bot sei. Diesen Schluss zog der Algorithmus von FB aus der Tatsache, dass ich „zu schnell“ kommentiert hätte. Dass ich so schnell kommentieren kann, wie ich das manchmal mache, hat schlicht und ergreifend damit zu tun, dass ich es kann. Sollte ich dabei so schnell wie ein Bot sein, betrachte ich das als reife Leistung.

Ein weiteres Mal wurde ich als böser Hassredner gerügt, weil ich folgendes gepostet hatte:

Da werden Weiber zu Hyänen. Oder waren es Hydranten?

Ich glaube nicht, dass sich da ein Herr Schiller über den Missbrauch seiner Glocke beschwert hat. Der wäre gleich lebenslang gesperrt worden, wenn er das ganze Gedicht gepostet hätte. Terrorverherrlichung würde der Algorithmus schreien.

Die Losung anstimmt zur Gewalt.

Freyheit und Gleichheit! hört man schallen,

Der ruh’ge Bürger greift zur Wehr,

Die Straßen füllen sich, die Hallen,

Und Würgerbanden ziehn umher,

Da werden Weiber zu Hyänen

Und treiben mit Entsetzen Scherz,

Noch zuckend, mit des Panthers Zähnen,

Zerreissen sie des Feindes Herz.

Feindes Herz zerreißen geht ja gar nicht und wer ist schon die Schiller? Deutscher Klassiker? Ach was. Dieser Radaubruder. Bürgerwehr? Der spinnt wohl.

Ansonsten hatte ich privat bisher relativ wenig Ärger mit FB und seinen Regeln. Beruflich bekomme ich allerdings häufiger mit, dass FB und seine Gemeinschaftsstandards ein steter Quell der Belustigung sind.

Wie alle „sozialen Netzwerke“ hat auch FB seine sogenannten Gemeinschaftsstandards. Die können Sie hier nachlesen. https://www.facebook.com/communitystandards/

Diese Regeln sollen dafür sorgen, dass aus einem sogenannten sozialen Netzwerk, dessen tieferer Sinn darin besteht, die Daten, Vorlieben und Abneigungen seiner Nutzer auszuspähen, um die dann an die Werbewirtschaft zu verticken oder auch selbst zu verwerten, kein allzu asoziales Netzwerk wird.

Nehmen wir mal spaßeshalber die Regeln zu „Gewalt und kriminelles Verhalten.

1. Gewalt und Anstiftung

Unser Ziel ist es, potenziellen Schaden in der Offline-Welt zu verhindern, der möglicherweise im Zusammenhang mit Inhalten auf Facebook steht. Auch wenn uns bewusst ist, dass Menschen ihre Verachtung bzw. Geringschätzung oder Ablehnung häufig durch Drohungen oder Aufrufe zur Gewalt ausdrücken, die scherzhaft und nicht ernst gemeint sind, entfernen wir dennoch Beiträge, die zu schweren Gewalttaten anstiften oder diese unterstützen. Wir entfernen entsprechende Inhalte, deaktivieren Konten und arbeiten mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen, wenn wir der Ansicht sind, dass eine echte Gefahr von Körperverletzung oder eine unmittelbare Gefährdung der öffentlichen Sicherheit besteht.

Ja nun, das ist doch fein. Allerdings hapert es mit der Umsetzung und das, obwohl FB meint:

Wir achten möglichst auch immer auf Sprache und Kontext, um lockere Aussagen von........

© Die Kolumnisten


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