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Die Retter der deutschen Sprache

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31.07.2021

Es gibt Menschen, die meinen sie müssten die deutsche Sprache vor übertriebener Korrektheit retten. Dabei retten sie etwas ganz anderes. Eine Kolumne von Heinrich Schmitz

Bild von Markus Winkler auf Pixabay

Wer wie ich in den 50er Jahren geboren wurde, für den gehörten all die N-,M-,Z-Worte zur normalen Alltagssprache. In der Kirche stand der Nick-N. Der sich mit einem Nicken für eine Spende für die hungernden Kinder in Afrika bedankte und dem die Kinder hier gerne ein paar Groschen spendeten, weil er so putzig nickte. Aß man seinen Teller nicht leer, was damals eine merkwürdige Verpflichtung war, die in erster Linie zu Fettleibigkeit führte, dann wurde einem vorgehalten, wie glücklich doch die armen N-Kinder wären, wenn sie so einen vollen Teller hätten. Dass die von dem ganzen zeitgemäß fetten Kram höchstens die Scheißerei bekommen hätten, bedachte niemand. Und wenn man brav war und sein Z-Schnitzel vollständig verspeist hatte, gab es noch eine Kalorienbombe extra in Form eines M-Kopfs, eines N-Kusses oder eines Eis-Ns.

Wenn Sie mit all diesen Kürzeln nichts anfangen können, brauchen Sie gar nicht weiter zu lesen, denn all diese Worte sind absolut entbehrlich, die müssen Sie nicht noch im Nachhinein in Ihren Sprachschatz aufnehmen.

Erst in den letzten Jahren müsste aber auch dem Dümmsten aufgefallen sein, dass diese Worte verletzen, diskriminieren und richtig weh tun können.

Umso mehr wundert es, dass sich angesichts verschiedener Verwendungen dieser und anderer Begriffe in den letzten Wochen und Tagen immer wieder Menschen, ja vor allem alte, weiße Männer, gerne aus den 50/60ern, sogenannte Boomer, zu Wort melden, die meinen, das sei doch alles gar nicht so schlimm und man solle nicht so ein Gewese darum machen, wenn z.B. ein deutscher Olympiafunktionär seinen Sportler meint damit anfeuern zu müssen, dass er ihm zuruft, er solle sich die „Kameltreiber holen“.

Kann „im Eifer des Gefechts“ schon mal passieren, dass einem so was raus rutscht, meinen da die Verteidiger der rassistischen Ausdrucksweise, die sich als letzte Hüter der guten alten deutschen Ausdrucksweise darstellen, die aber ihrerseits flugs eine Anzeige erstatten, wenn man sie als Nazis bezeichnet. Komisch aber auch. Lustig ist es wohl nur, wenn es andere trifft.

Rausrutschen, heute auch gerne als Weidelsches Mausrutschen bezeichnet, kann eigentlich nur etwas, was auch drin ist. Dass einem der Penis aus der Sporthose rutscht, kann nur passieren, wenn man auch einen hat. Mir sind auch im Eifer des Gefechts noch nie chinesische, russische oder arabische Sätze entwichen, weil ich diese beiden Sprachen gar nicht in meinem Gehirn habe. Da kann auch nichts rutschen. Nur wer in seinem Wortschatz ein Füllhorn an rassistischen Begriffen sein Eigen nennt, dem kann so etwas passieren.

Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten........

© Die Kolumnisten


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