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Boris Becker und der Knast

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30.04.2022

Boris Becker wurde zu zweieinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Nun musste er umgehend ins Gefängnis. Eine Katastrophe? Eine Kolumne von Heinrich Schmitz

Foto: dietmaha

Am 7. Juli 1985 waren wir mit unserer damals gerade zweijährigen Tochter in einem Kurzurlaub in einem niederländischen Centerpark. Glauben Sie bitte nicht, ich hätte ein überragendes Gedächtnis, hab ich nicht. Schon gar nicht für Daten. Aber an diesem Tag gewann der „17-jähige Leimener“ zum ersten Mal als ungesetzter Spieler Wimbledon. Vor diesem Turnier hatte ich mit Tennis nichst am Hut. Das war für mich ein Sport, der in meiner Umgebung überwiegend von arroganten, reichen Mitbürgern – man kann auch sagen, blasierten Affen – gespielt wurde, mit denen ich nur ungern zu tun haben wollte.

Aber in diesem Urlaub hingen wir alle fasziniert vor der Glotze und staunten über diesen frechen Kerl, der sich mit einem Ass nach dem anderen durch das Turnier schlug. „Bumbum“ und „Bobele“ bluberte auch unsere Tochter schon, wenn sie den Rotschopf sah. Da wurde ein Jahrhundertsportheld geboren. Und in der folgenden Zeit gewann Becker so ziemlich alles, was man im Tennis gewinnen konnte.

Und wie das immer so ist, wenn ein Mensch zu Geld und Ruhm kommt, scharen sich die Geier um ihn, um ebenfalls an Ruhm oder jedenfalls an viel Geld zu kommen. Irgendwann lebte Becker dann auf großem Fuß, verdiente eine Mörderkohle und gab sie auch wieder aus. Teure Investitionen, teure Frauen, teure Seitensprünge.

Und wie das auch nicht ungewöhnlich ist, will man von seinem sauer verdienten Reichtum nicht gerne was an den Staat abdrücken und es kam in Deutschland zu einem Steuerhinterziehungsverfahren. Da hatte Becker noch mal Schwein und bekam eine Bewährungsstrafe. Also – aus der Sicht vieler Angeklagter – nix passiert. Puh.

In der Folge lief es aber nie mehr so richtig und am bitteren Ende hatten sich mindestens 36 Millionen an Schulden aufgetürmt, die Becker oder seine Firmen, nicht mehr bezahlen konnten. Patsch, Insolvenz. Das ist nichts Ungewöhnliches und schon gar nichts, was unehrenhaft wäre. Kommt in den besten Familien vor. So eine Insolvenz ist vor........

© Die Kolumnisten


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