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Bes öm ellef

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10.07.2021

Mein Freund Paul ist tot. Eine Kolumne von Heinrich Schmitz

Es gibt Regelmäßigkeiten, die zwar für sich genommen völlig bedeutungslos sind, aber dennoch zu einer lieben Gewohnheit, zu einem wichtigen Ritual werden. Wer meine Facebookseite kennt, der weiß, dass ich da seit Jahren jeden Samstag um 7 Uhr (genaugenommen um 6:50 Uhr, aber ich lasse mir da was Luft) meine aktuelle Kolumne poste. Und jeder, der das kennt, weiß auch, das Sekunden nach dem Post ein Kommentar erschien, der stets lautete:

Joode Morje, Heinrich! Bes öm ellef

Ja, Guten Morgen Heinrich, bis um elf, war wichtig. Dann wusste ich, Paul geht es gut und wir sehen und um 11 Uhr auf dem Alter Markt in Euskirchen zu unserer Teaparty mit unseren Freundinnen und Freunden unserer Kirchplatzgruppe. Seit Jahren lief das so.

Ein Facebookfreund schrieb gestern:

Das tut mir unendlich leid . Zaungast Eurer Seelenverwandtschaft durfte man jeden Samstag-Morgen werden, und allein diese 3 oder 4 Floskeln haben auch für einen Außenstehenden wie mir das Wochenende versöhnlich beginnen lassen, weil man an etwas Besonderem teilhaben durfte. Is verdammte Scheiße

Das trifft es auf den Punkt und es berührt mich, dass selbst Dritten aufgefallen ist, dass es da eine Seelenverwandtschaft gab und die Freundschaft zu Paul etwas ganz besonderes war, ach was, ist. Die stirbt nie.

Und wenn wir dann am Vormittag in die Stadt zogen, um uns zu anregenden Gesprächen, Diskussionen oder auch nur zum Klaaf zu treffen, dann sahen wir Paul und seine liebe Frau Brigitte immer schon von Weitem. Paul trug fast immer ein rotes Basecap, manchmal auch einen Strohhut, um seine Glatze vor Sonnenbrand zu schützen. Und wenn er die Mütze mal abnahm, gab es häufig eine Küsschen auf die Glatze. Nicht von........

© Die Kolumnisten


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