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Austreten?

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20.03.2021

Das vom Erzbistum Köln in Auftrag gegebene Gutachten der Rechtsanwaltskanzlei Gercke | Wollschläger wurde am 18.3.2021 veröffentlicht. Kann ich danach noch guten Gewissens in der katholischen Kirche bleiben? Eine Kolumne von Heinrich Schmitz

Bild von S. Hermann & F. Richter auf Pixabay

Ich komme aus der Eifel. Da ist man katholisch. Schon immer. Durch Generationen. Ungefragt getauft, halb gefragt zur Kommunion, mehr oder weniger frei gefirmt. Ich bin diesen Weg gegangen. Katholischer Kindergarten, katholische Grundschule, Messdiener, Gruppenleiter. Ich bin brav zur heiligen Messe gegangen, habe regelmäßig die Kommunion empfangen, habe kirchlich geheiratet und unsere Kinder wurden alle getauft. Mitglied der katholischen Kirche. In meinem Leben war das so normal wie die Luft zu atmen. Und auch meinen Abgang hatte ich mir in Form einer christlichen Beerdigung vorgestellt.

Zwar hörte man auch früher immer wieder von Geistlichen, die „auf Jüngelchen“ stünden und meint Großvater behauptete stets, das Kürzel der Jesuiten, SJ, stünde in Wirklichkeit für „schläächte Jonge“, aber ich persönlich fühlte mich in meiner Gemeinde geborgen. Das war ein Stück Heimat.

Nach und nach wurden die Gerüchte über sexuelle Missbräuche durch Priester immer stärker und der ein oder andere „verschwand“ ganz plötzlich, wurde irgendwohin versetzt, aber warum das geschah konnte man nur ahnen. Ich hielt in meiner kindlichen und auch noch jugendlichen Naivität Priester und Ordensbrüder – meine geistliche Heimat waren die Franziskaner – für „bessere“ Menschen. Dass die auch nur Menschen mit einer wie auch immer gearteten Sexualität waren, kam mir damals nie in den Sinn. Dass ein Pfarrer offenkundig ein Verhältnis mit seiner Haushälterin hatte, änderte daran wenig. Störte niemanden und war ja auch okay. Dass ein Priester sich an Kindern oder Schutzbefohlenen vergreifen könnte, kam mir nie in den Sinn.

Und dann verdichteten sich diese Gerüchte immer weiter und wurden irgendwann zu Gewissheiten. Aber der Irrglaube an die Kirche führte dazu, solche Vorfälle als Einzeltaten von Verirrten anzusehen und diese Taten nicht der Kirche selbst anzulasten. Zunächst jedenfalls. Klar machte ich mir Gedanken darüber, wie den so ein Zölibatärer wohl mit seinem Sexualtrieb umging, aber schließlich hatte er sich ja selbst und freiwillig dazu entschieden. Wäre für mich nichts gewesen, was die kurzfristige Idee, Theologie zu studieren und Priester zu werden, schnell beendete. Aber, dass es Menschen geben könnte, deren Glauben so stark ist, dass sie damit kein Problem haben, konnte ich mir durchaus vorstellen.

Nun, es hat mit der Kirche zu tun. Es sind nicht nur vereinzelte verirrte Schäfchen, die vom rechten Glauben abgekommen sind. Es sind Straftäter, die innerhalb der una sancta Schutz vor der weltlichen Justiz bekommen haben, wie Mitglieder der Mafia. Das Gesetz der Omerta über die Gesetze Christi.

Liest man das mit Anhang 895 Seiten starke Gutachten der KollegInnen Gercke u.a. dann hat man den Nachweis dafür, dass erstes Ziel der innerkirchlichen Maßnahmen........

© Die Kolumnisten


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