„Keine Juden erlaubt“ ist nicht antisemitisch?!
Es gibt Sätze, nach denen ist eigentlich nicht mehr viel zu erklären. So hätte ich es bis vor kurzem jedenfalls erwartet. Wer seinen afroamerikanischen Nachbarn wegen zu lauter Musik als „dummen Affen“ bezeichnet, ist Rassist. Wer „Kauft nicht bei Juden“ schreit, ist Antisemit. So klar, so einfach — eigentlich.
Doch offenbar gibt es heute bei manchen selbst da noch Nuancen. Selbst bei einem Satz wie: „Keine Juden erlaubt.“ Die Geschichte ist schnell erzählt: Das Hotel Zum Hirschen in Lam reagierte auf eine Buchungsanfrage aus Israel mit dem Satz: „Sorry, there are no Jews allowed in our hotel.“ Auf Deutsch: „Entschuldigung, in unserem Hotel sind keine Juden erlaubt.“
Man muss diesen Satz nicht auslegen. Man muss keine Kommunikationswissenschaft bemühen und keine interkulturelle Missverständnisforschung betreiben. Wer schreibt, dass in seinem Hotel keine Juden erlaubt seien, schreibt einen antisemitischen Satz. Punkt.
Die Betroffenen wandten sich an die Medien, die darüber berichteten. Natürlich wurde auch das Hotel selbst gefragt. Die Erklärung: Das sei kein Antisemitismus gewesen. Man habe viele gleich klingende Buchungsanfragen erhalten, die man als Betrug eingestuft habe. Weil man davon die Nase voll gehabt habe, sei dann eben der Satz „Keine Juden erlaubt“ verschickt worden. Na klar.
Der Gedankensprung von „Wir wollen keine Betrüger“ zu „Wir wollen keine Juden“ kommt ja sicherlich jedem. Also zumindest jedem Antisemiten.
Ein paar Probleme mit der Wahrheit
Wie die WELT berichtet, soll das Hotel zunächst bestritten haben, diese Nachricht überhaupt versandt zu haben. Erst als Screenshots die Nachricht belegten, habe man sie eingeräumt. Dann sei es „ein Mitarbeiter“ gewesen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen wegen des Verdachts der Volksverhetzung — gegen unbekannt. Öffentlich ist also bislang kein konkreter Absender belastbar benannt. In Online-Kommentaren wird behauptet, es sei Juniorchef Andreas Vogl gewesen. Belastbare Quellen dafür habe ich nicht gefunden.
Und genau dieses Verhalten ist fast so entlarvend wie der ursprüngliche Satz. Erst soll die Nachricht nicht existieren. Dann existiert sie plötzlich doch, aber niemand will es gewesen sein. Dann war es „ein Mitarbeiter“ — also diese praktische deutsche Märchenfigur, die immer dann auftaucht, wenn Verantwortung gerade schlecht ins Bild passt.
Eine Stellungnahme macht alles noch schlimmer
Nun lässt sich selbst auf schlimmes Fehlverhalten durchaus reagieren. Man kann Verantwortung übernehmen. Man kann sich entschuldigen. Man kann Konsequenzen ziehen. Man kann zeigen, dass man verstanden hat, was man getan hat.
Auch das Hotel versuchte zu reagieren. Es veröffentlichte auf der eigenen Homepage eine Stellungnahme, die ich hier vollständig zitieren möchte:
Infos zur aktuellen Situation Liebe Gäste, derzeit wird in den Medien viel berichtet und wir sind und waren mit den Vertretern, der Polizei und der Staatskanzlei in Kontakt, um unsere Sichtweise der Dinge darzustellen. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir derzeit nicht auf jede Nachricht antworten können, insbesondere nicht auf Beleidigungen und Drohungen. An dieser Stelle möchten wir auch eindeutig klarstellen, dass wir jegliche Form der Diskriminierung verurteilen. Dass bestimmte Gruppen bei uns nicht willkommen wären ist, nicht richtig und entspricht nicht den Tatsachen. Wenn Sie bei uns buchen und Ihren Urlaub verbringen möchten, um uns persönlich kennenzulernen, senden Sie uns gerne Ihre Anfrage: Anfrage Wir werden auf Nachrichten mit Buchungsabsicht selbstverständlich antworten, der normale Betrieb ist nicht beeinträchtigt. Schöne Grüße aus Lam Familie Sperl-Vogl
Infos zur aktuellen Situation Liebe Gäste, derzeit wird in den Medien viel berichtet und wir sind und waren mit den Vertretern, der Polizei und der Staatskanzlei in Kontakt, um unsere Sichtweise der Dinge darzustellen. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir derzeit nicht auf jede Nachricht........
