Quoten-Mathematik
Nachdem meine Timeline in letzter Zeit immer mehr Postings zeigt, in denen Feminismus als das große Unglück der Frauen und selbstbestimmte Frauen als Feinde von Männern deklariert werden, erinnere ich mich mit Wehmut an die Zeiten, als man sich noch um Quote oder Nicht-Quote in Vorständen stritt. Dass man sich die Zeiten des Ostblocks zurücksehnt (mitsamt Honecker und Ceausescu), allen Ernstes den Sinn und Nutzen von Impfungen anzweifelt oder gar „Beweise“ für die Kugelform der Erde verlangt – es scheint nichts zu dumm und rückwärtsgewannt genug sein, um sich Gehör und Geles zu verschaffen.
Meine Phantasie reicht bei dieser fantastischen Reduktion an Allgemeinwissen nicht aus, um einen Nullpunkt zu finden, von dem aus ich für Feminismus oder Wokeness eine kleine Erleuchtung bringen kann. Also kann ich genausogut bei der Quotendiskussion ansetzen, wie ein zivilisierter Disput zu Feminismus auch meiner Meinung nach laufen sollte.
Es wird zuweilen behauptet, dass eine fixe Frauenquote in Vorständen flankiert werden sollte mit einer fixen Quote bei Klempnern und Straßenreinigern, damit die Forderung danach glaubwürdig ist. Ebenso wird zuweilen behauptet, dass Frauen ja nicht führen „wollten“, sonst würden sie es ja tun, ebenso zeigte eine Studie, dass Frauen in als geschlechteregalitär geltenden Gesellschaften, sich vermehrt stereotype Ausbildungen aussuchen („weibliche“ Berufe). Eine gesetzlich oder anders verlangte Quote an Frauen in Vorständen würde dazu führen, dass unwillige und unfähige Frauen willigen und fähigen Männern vorgezogen werden, was – so ausgedrückt – ja nur schlecht für das Unternehmen sein könnte. Das kann ja keiner wollen, das kann ja jeder sehen, wie mies das ist. Dasselbe Argument hat man letztens auch bei Charlie Kirk kritisiert, der bei einem Schwarzen Piloten ähnlich argumentierte – dass die DEI-Kriterien, nachdem Minderheiten bevorzugt werden, ihn an den Qualifikationen eines Piloten zweifeln lasse, wenn er an ihm Minderheitenstatus erkenne (Hautfarbe zum Beispiel).
Wir haben aber hier mit einer Vermischung verschiedener Dinge zu tun, die zu dieser Problematik führen. Und sowohl Befürworter als auch Gegner von „affirmative action“ (also die bewusste Gegensteuerung zu einer angenommenen diskriminierenden Grundhaltung im Einstellungsprozess) sitzen dieser Verwechslung gewollt oder ungewollt auf.
Zur Auflockerung dieses bisweilen sehr geladenen Themas möchte ich eine Anekdote dazu erzählen, die sich genauso in meinem Leben zugetragen hat. Ich habe 1993 mit dem Studium der Elektrotechnik begonnen, was ich ein paar Jahre später bereut hatte. Ich war gut........
