Klatsch, Tratsch und Lästereien |
Ich bin in einem kleinen Haushalt mit drei weiblichen Personen großgeworden: meine Oma, meine Mutter und ich. Neben viel Liebe und einer klar strukturierten Lebensweise, gab es immer wieder explizite oder implizite Lektionen in Ethik. Sei es, dass niemals Müll auf die Straße zu werfen – egal, wie üblich es war; sei es, Gefundenes immer zurückzugeben – egal, wie unüblich das war – im Rumänien der 80er Jahre. Und eine der impliziten Lehren lautete: Kein Klatsch und Tratsch.
Das gab es einfach nicht bei uns zuhause. Meine Tante, die in unsere Familie eingeheiratet hatte, und auf demselben Hof wohnte, sagte über meine Oma, die ihre Schwiegermutter war, anerkennend, dass sie sich niemals in die familiären Angelegenheiten einmischte, egal, was sie zu Augen oder Ohren bekommen hatte. Über die häuslichen Probleme eines anderen Onkels wurde nicht gesprochen, nur soviel, dass meine Mutter sich des etwas vernachlässigten und lernbehinderten Sohnes annahm – trotz Vollzeitarbeit und ihrer eigenen Tochter, also meinetwegen. Ich liebte meine Verwandten und ich hatte auch kein schlechtes Bild von ihnen, was ganz sicher auch daran lag, dass ich nie etwas Schlechtes über sie hörte.
Als Kind ist man nicht unbedingt in der Lage, zu verstehen, dass es auch mal einfach eine Perspektivsache ist, wenn jemand erzählt, wie dumm eine Entscheidung eines anderen war. Kinder lernen gerade erst, Kategorien zu erstellen und sind somit auch recht kategorisch in ihren Beurteilungen. Dass da Verwandte mal „dumm“ sein könnten und am nächsten Tag aber alles davon wieder vergessen scheint, und wiederum beim nächsten Besuch Denjenigen der volle Respekt zu zeigen ist – das muss doch zu einer Verwirrung führen! Bei mir war das nur sehr wenig der Fall – ich konnte durchgängig lieben und respektieren!
Natürlich gab es ab und zu schlechte Stimmung und Verärgerung über Situationen außerhalb oder über andere Menschen. Aber es hatte immer genau diesen Aspekt dabei, des Verärgertseins, des Rauslassenmüssens von Emotionen. Was ich als Kind ja auch selber an mir kannte.
Nun ist man als Kind, vor allem in einer sozialen Umgebung wie die als Siebenbürger Sachse in den 80ern, nicht nur so einer intimen Verwandtschaft ausgesetzt, sondern im Gegenteil – es gab die volle Dröhnung Gesellschaft. Ob im Kindergarten oder Schule,........