Die Musealisierung unserer Welt |
Es war eine spontane Idee, sich aufs Fahrrad zu schwingen, und ins Nürnberger Umland zu fahren. Auf der Karte bot sich „Heroldsberg“ an, nicht zu nah, nicht zu weit, der Weg durch den Wald, was für mich besonders attraktiv ist. Ich liebe es, mich einem Ort auch mal völlig unvorbereitet zu nähern. Und diesmal war es – wieder mal – ein Volltreffer.
Heroldsberg hat einen idyllischen Ortskern, der sich um nicht ein, nicht zwei, und auch nicht drei, sondern gleich VIER Schlösser drängt. Nicht große, klar, und sie kommen zum Teil wie größere Patrizierhäuser daher, was nur logisch ist, da sie alle dem Patriziergeschlecht der Geuder gehört haben. Und ohne die große Stadt Nürnberg drum herum, da wirken sie eben auch wie Schlösser, nicht wahr, zumal sie auf der Anhöhe drapiert sind.
Interessant sind auch die an einigen ähnlich historischen Häuser angebrachten Plaketten mit den „alten Hausnamen“ (Foto). Darauf steht die Entstehungzeit, die Bedeutung und Herkunft des Hausnamens (wo bekannt) und bei einigen der aktuelle Besitzer. Unweit vom „roten Schloss“ ist an der Straße ein alter Ziehbrunnen, mitsamt eisernem Rad. Allerdings ist er eher zum „Zierbrunnen“ mutiert und wird – so fand ich es in den Weiten des Internets – auch schon mal zum typisch fränkischen Osterbrunnen, wenn die Jahreszeit passt.
Hausnamen Heroldsberg – Chris Kaiser
Idylle in Ocker und Rosenstöcken
Es hat unheimlichen Spaß gemacht, sich bei Sonnenschein zwischen diesen fränkisch-typischen Sandsteinbauten zu bewegen und diese Kleinode und Augenweiden anzuschauen. Es macht etwas mit einem, nicht wahr? Diese Schönheit und Anmut kriecht einem unter die Haut, die liebevolle Instandhaltung mitsamt typischen Blumenarrangements am Wegesrand – das habe ich schon öfter in ähnlichen Ortschaften gesehen. Randersacker und Sommerhausen bei Würzburg etwa. Oder auch kleine krumme Gässchen durch die Altstädte Nürnbergs, Augsburgs, Würzburgs …. Ein bisschen lebhafter und ein bisschen eher der Gefahr ausgesetzt, ein Graffito abzubekommen.
McDonalds in Rothenburg ob der Tauber
Die fränkische Krone der menschlichen Schöpfung – Rothenburg ob der Tauber – hingegen, ist schon lange kein Geheimtipp mehr und dementsprechend professionell vergraben unter Touristenmassen: über eine halbe Million Übernachtungen pro Jahr bei gerade mal 12.000 Einwohnern, die wirklich dort leben. Als ich vor etwa 30 Jahren das erste Mal dort war, hatte mich neben der harmonisch arrangierten Architektur des Spätmittelalters und der Renaissance vor allem beeindruckt, wie Geschäftshäuser sich keine modernen Werbeflächen und Schriften erlaubten, sondern alles harmonisch „auf alt“ gemacht war. Bis hin zu McDonalds, das tatsächlich mit........