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Auf der richtigen Seite stehen

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01.02.2026

Ich arbeite für das Archiv einer Tageszeitung und im Rahmen der Tätigkeit dort, sprach ich vor kurzem mit einem engagierten antifaschistischen jüdischen jungen Menschen. Wir unterhielten uns über Nazis, die im nachkrieglichen Deutschland gediehen und erfolgreich Karriere machten. Über empfindliche Reaktionen, wenn man sie über Früher befragte, über gesellschaftliche Amnesie und das nicht allzu heimliche Stolzsein, das einige über dieses Früher zur Schau stellten, etwa über die Zeit in der Wehrmacht als Bericht über Abenteuer.

Es ging um Geschäftsleute, die den nicht ganz tausendjährig dauernden Makel ihrer Familien durch Coolness und Geschäftssinn aus dem Gedächtnis der heutigen Kunden löschen konnten. Und bei einigen hat die sogenannte „Arisierung“ zu dem entscheidenden Beleben ihres Geschäfts geführt, während das Nachkriegsdeutschland ihren Beitrag zum Wirtschaftswunder feierten, bis heute.

Ich bin in diesem Punkt sehr glücklich, dass der Vorfahre meines Arbeitgebers eine von den Amerikanern gleich nach dem Krieg verbriefte weiße Weste hatte, und dass er sich auch in der eigenen Zeitung dezidiert von Anfang an persönlich und durch die Berichterstattung deutlich als antifaschistisch bewies, und das bei konservativem Lesepublikum, mitsamt einer beachtlichen Gruppe von Flüchtlingen aus den ehemals deutschen Gebieten. Ich kann meinen Stolz auf das Unternehmen und „meine“ Zeitung mit meiner eigenen Überzeugung uneingeschränkt verbinden.

Auch wenn man allenthalben liest, dass es gut sei, dass die eigenen Überzeugungen immer und immer wieder auf den Prüfstein kommen, herausgefordert werden sollen – so muss ich schon sagen, dass ich in diesem Fall die Harmonie als wohltuend friedlich in meinem Gewissen erfahre. Kein Konflikt, keine Dissonanz – wie schön. Es ist ja nicht so, dass in meinem Leben alles genau zu meiner „woken“ Einstellung führte, und es gab eine Zeit, dass „antifaschistisch“, „antiimperialistisch“, „Solidarität“ eher Begriffe waren, die mir Allergiepickel bereiteten. Wie viele, die hinter dem Eisernen Vorhang im real existierenden Mangel-Sozialismus aufwuchsen, konterkarierten solche Parolen im täglichen Leben das, was man wirklich sah und erlebte. Dazu kam noch, dass ich als Deutsche in Rumänien gegen den Nationalismus eines Ceausescu immun war, mit dem er einige über das Elend hinwegtäuschen konnte. Wenn man die Bindung an die RUMÄNISCHE Scholle und Einzigartigkeit der rumänischen Kultur als davon Ausgenommener hört, zugleich in Filmen „den Deutschen“ meist als Befehle schnarrenden Nazi sieht UND dabei der Besuch aus Deutschland Sachen bringt, wovon der rumänische Nachbar nur träumen kann – dann ist dieser Käs schnell gegessen.

Dass unter meinen deutsch-sprechenden Landsleuten einige stramme Nazis verurteilt wurden, wie Fritz Klein  oder Victor Capesius  und noch mehr nicht, eine Aufarbeit unter den Bedingungen des Regimes der Kommunisten nicht in Tiefe möglich war, die nötig war – das lässt nationalistisches Denken als MINDERHEIT jedoch lange gedeihen. Dazu muss man noch sagen, dass das kommunistische Regime in Bukarest ganze Generationen von Deutschen aus Rumänien als Reparation in die sowjetischen Gulags ausgelieferten – dass man da keine Schuldgefühle als Täter entwickelt, sondern sich eher als kollektives Opfer betrachtet, ist nicht erstaunlich.

So – nein, es war mir nicht in die Wiege gelegt, eine dezidiert antifaschistische und antinationalistische Haltung einzunehmen. Und dennoch – da bin ich und ich habe sie. Und propagiere sie offen.

Es kamen aber andere Aspekte in mein Leben, die diese Richtung begünstigten – etwa, dass ich in den frühen 90ern in Deutschland lebte, und in meiner Altersgruppe und meinem sozialen Umfeld damals Punks und Links en vogue war. Ich ging sogar einmal (zu mehr reichte meine aussiedlerbedingte Ängstlichkeit nicht) auf eine Demo mit „Kein Krieg für Öl“ und war durchaus mit ein bisschen Antiamerikanismus infiziert. Ich sage richtigerweise........

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