Der Mann mit dem Holzhammer

Es gibt politische Systeme, die sich über Wahlen legitimieren. Und es gibt solche, die Wahlen eher als Dekoration betrachten. Venezuela gehört seit Jahren zur zweiten Kategorie – und Diosdado Cabello ist nicht nur Teil dieses Systems, sondern einer seiner effizientesten Vollstrecker. Wer glaubt, Macht bemesse sich allein an Titeln, hat autoritäre Systeme nicht verstanden. Nicolás Maduro mag Präsident gewesen sein; doch Macht verteilt sich dort, wo Kontrolle, Angst und Loyalität zusammenlaufen. Cabello steht genau an diesem Schnittpunkt.

Macht jenseits der Institutionen

Seit dem Tod von Hugo Chávez im Jahr 2013 ist Venezuela weniger ein Staat als ein Geflecht aus Machtzentren. Institutionen existieren – aber sie wirken oft wie Kulissen. Dahinter agieren Akteure wie Cabello, deren Einfluss sich nicht aus Verfassungen, sondern aus Netzwerken speist. Cabellos Karriere zeigt, wie diese Macht funktioniert: Er war Vizepräsident Venezuelas (2002), mehrfach Minister (u. a. für Infrastruktur und öffentliche Arbeiten), Gouverneur des Bundesstaates Miranda, Präsident der Nationalversammlung (2012–2016) und einer der führenden Köpfe der Regierungspartei PSUV. Diese Ämter sind mehr als Stationen – sie bilden ein dichtes Netz aus Loyalitäten und Zugriff auf staatliche Ressourcen.

Frühe diplomatische Berichte bezeichneten Cabello als „zentralen Pol der Korruption“¹. Was damals nach überzogener Einschätzung klang, wirkt heute fast zurückhaltend. Cabello ist kein Nebenakteur – er ist........

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