Ein historischer Moment mit fadem Beigeschmack
Artemis-2-Mission gestartet: Ein historischer Moment mit fadem Beigeschmack
Ein historischer Moment mit fadem Beigeschmack
Mit der Artemis-2-Mission kehrt die Menschheit zum Mond zurück, doch die Begeisterung hält sich in Grenzen. Denn das historische Ereignis wird von politischem Geltungsdrang und internationalen Machtkämpfen überschattet.
Die Menschheit kehrt nach mehr als 50 Jahren zurück zum Mond. In der Nacht zu Donnerstag glückte der Start der Artemis-2-Mission – ein Moment, der in die Geschichtsbücher eingeht. Die vierköpfige Crew ist in diesem Moment auf dem Weg in Richtung Mond, den sie einmal umrunden wird.
Damit hat die neue Ära der Mond-Raumfahrt offiziell begonnen: Die US-Weltraumbehörde Nasa, die beim Artemis-Programm federführend ist, ist auf dem besten Weg dahin, Menschen dauerhaft zum Mond zu bringen. Die Mondumrundung ist nur der erste Schritt auf diesem Weg.
Doch so geschichtsträchtig diese Mission auch ist, die Euphorie darüber ist nicht annähernd so groß wie zu Apollo-Zeiten. Damals versammelten sich noch weltweit Hunderte Millionen Menschen vor den Fernsehern, um zu sehen, wie erstmals ein Mensch den Mond betritt. Von der Begeisterung ist nicht mehr viel übrig – wohl auch, weil nach der ersten noch fünf weitere erfolgreiche Missionen folgten. Der Zauber des Besonderen ging verloren.
Stattdessen sind die Mondmissionen heute mehr mit Zweifeln verbunden: In Zeiten von Kriegen und Krisen hinterfragen viele Menschen, warum die Menschheit nun ausgerechnet zum Mond fliegen muss und dafür Milliarden ausgibt. Fantasien von Multimilliardären wie Elon Musk, für die der Mond nur ein Sprungbrett zum Mars ist, fördern den Eindruck, dass hinter Artemis letztlich nur eines steckt: Machtstreben.
Trump demonstriert seine Macht
Das Artemis-Mondprogramm ist zum Prestigeobjekt verkommen. Es soll nicht nur das Ansehen der USA steigern, sondern vor allem das des Präsidenten. Donald Trump will der Welt seine Macht demonstrieren. Deshalb setzte er die Nasa zuletzt immer wieder unter Druck, um die Mondlandung möglichst noch als Erfolg seiner Amtszeit feiern zu können. Vor allem aber will er Amerikas größten Konkurrenten China übertrumpfen. Die Rückkehr zum Mond ist zu einem Machtgerangel geworden.
Und so ist der Start der Artemis-2-Mission zwar ein historischer Moment, aber einer mit einem faden Beigeschmack. Denn die wissenschaftliche Bedeutung der Mondmissionen und ihr Nutzen für die Menschen auf der Erde (zum Beispiel in Hinblick auf die Abwehr von Asteroiden) sind längst in den Hintergrund gerückt. Kein Wunder also, dass Begeisterung und Zustimmung für die Mondmissionen ausbleiben.
Europas ungewisse Zukunft
Selbst in der Wissenschaft ist die Vorfreude getrübt oder gar nicht vorhanden, wie jüngst eine Nature-Umfrage gezeigt hat. Als Grund dafür nannten die Forschenden etwa die Entwicklungen bei der Nasa unter der Trump-Regierung. Die Behörde hat zuletzt zahlreiche Mitarbeitende entlassen und Missionen eingestellt. Dieser Kahlschlag hat das Ansehen der Nasa nachhaltig beschädigt und nicht zuletzt für Verunsicherung bei internationalen Partnern gesorgt – auch in Europa.
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„Die Mondmissionen werden stattfinden – mit oder ohne uns“
Die Europäische Weltraumorganisation Esa dürfte die Artemis-2-Mission ebenfalls mit gemischten Gefühlen verfolgen. Schließlich ist noch unklar, wie ihre Zukunft im Mondprogramm aussehen wird. Die Mondraumstation, an der sich Europa beteiligen wollte, hat die Nasa jedenfalls jüngst wieder gestrichen. Jetzt braucht es einen neuen Plan. Ansonsten droht Europa, bei der Rückkehr zum Mond ins Hintertreffen zu geraten.
