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Zwangsheirat: Wenn nur Tradition und "Anstand" zählen

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02.07.2019

Das Sujet der Kampagne "Stoppt Zwangsheirat – Nein zu Gewalt an Frauen" von der Hilfsorganisation Terre des Femmes aus dem Jahr 2004.

Eigentlich hätte das hier eine Kolumne über die Klischees sogenannter Balkan-Hochzeiten werden können: Kitsch, Pomp, Autokorsos, Schüsse aus bewilligungspflichtigen Feuerwaffen, zu viel Sliwowitz und gigantische Grillplatten. Meine Eltern sind in diesem Sommer wieder auf so ein Fest eingeladen.

Sterbefälle, Geburten, Hochzeiten – diese News aus der "Community" teilt meine Mutter immer mit mir. "Ach, die Tochter von S. heiratet schon. Ist sie nicht erst 20?" – "19, gerade fertig mit der Lehre. Aber du kennst S., er ist halt sehr altmodisch."

Ja, ich kenne S. Mit altmodisch meint meine Mutter, dass er seine Kinder streng erzogen hat, samt gelegentlichen Tetschen. Und dass er sehr genaue Vorstellungen davon hat, "was sich gehört" und was nicht. Es gehört sich nämlich nicht, dass seine Tochter mit ihrem (ersten?) Freund unverheiratet zusammenlebt, was sie gerne tun würde. Also wird geheiratet, damit alles seine Ordnung hat.

Gegen den Bräutigam war nichts einzuwenden. Gleiche Herkunft und gleiche Konfession wie die Familie der Braut. Wunderbar. Zumindest in den Augen von S. Mich hingegen übermannt ein kleiner Wutreflex. "Das ist ja fast eine Zwangsverheiratung", schleudere ich meiner Mutter halb im Spaß entgegen. Und bereue es sofort.

Natürlich ist das........

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