We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close
Aa Aa Aa
- A +

Klischees sind ungerecht - geben uns aber Orientierung

4 0 0
07.06.2020

Der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd wühlt die Menschen in aller Welt auf. Sie denken über Rassismus, Vorurteile und Vorverurteilungen in ihren eigenen Gesellschaften nach.

Es scheint keinen Zweifel zu geben: Stereotype machen das Leben ungerecht und für Minderheiten oft unerträglich.

Doch diese Sicht auf die Probleme der Gegenwart ist nicht nur schief. In ihrer Pauschalität ist sie selbst gefährlich.

Stereotypen sind ungerecht, geben aber Orientierung

Stereotype geben Menschen in brenzligen Situationen Sicherheit und Orientierung. Begegnet einer Frau nachts einer Gruppe angetrunkener junger Männer, wechselt sie die Straßenseite. Eine Wette darauf zu machen, dass es sich bei der Truppe auch um wohlerzogene Abiturienten nach dem Tanzstundenball handeln könnte, wäre zu riskant.

Auch wenn es ungerecht ist: In diesem Fall hilft das Stereotyp, die Lage einzuschätzen und vorsichtig zu handeln.

Ohne Vorurteile bilden sich keine Konventionen heraus

Auch das Stereotyp „Die Deutschen können Corona“ ist nützlich. Die Annahme, dass die Seuche in diesem Land diszipliniert bekämpft wird, schafft ein positives Zugehörigkeitsgefühl. Selbst wenn Einzelne sich nicht an die Regeln halten, in Schlauchbooten singend über den Landwehrkanal schippern, oder in Gottesdiensten laut singen, hilft das Klischee vielen, die Einschränkungen zu befolgen und sich auf der richtigen Seite zu wissen.

[Für alle, die Berlin schöner und........

© Der Tagesspiegel


Get it on Google Play