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Die Trennung zwischen Redaktion und Anzeigenabteilung muss scharf sein

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14.10.2019

Wie bigott sind Journalisten? Diese Frage beschäftigt Leser, Zuschauer und Nutzer von Zeitungen, TV-Sendern und Websites wieder heftig. Sie fragen sich, wie ein Journalist das Fleischessen kritisieren kann, wenn unter dem Kommentar die Anzeige einer Supermarktfleischtheke steht. Oder wie man einen SUV-Eigentümer kritisieren kann, wenn der Hersteller dieser Autos mit seiner Werbung den Sender am Leben hält. Sie fragen zu Recht. Die Unabhängigkeit von Redaktionen einzufordern und zu verteidigen ist Sache der Journalisten – und der Leser und Nutzer.

Aus journalistischer Perspektive ist es kein Widerspruch, Anzeigen von Fleischherstellern zu haben und dennoch gegen übermäßigen Fleischkonsum zu argumentieren. Es ist vielmehr ein Ausdruck der Freiheit. Auch wenn der Anzeigenleiter drohen sollte – die Inhalte bestimmen die Journalisten. Leser sollten im Gegenteil misstrauisch werden, wenn sich alles zu geschmeidig fügt: im Text ein Loblied auf die Kreuzfahrt, unten die Anzeige dazu. Die Trennung zwischen Redaktion und Anzeigenabteilung muss scharf sein.........

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