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"Gesamtgesellschaftlich" wird zum Modewort

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11.10.2020

Es wird oft gesagt und ein sehr großes Wort: „gesamtgesellschaftlich“. Das Adjektiv wird neuerdings meist in Kombination mit der „Aufgabe“ verwendet, und beschreibt etwas, das weit über die Gesellschaft hinausweisen soll. Denn eigentlich ist ja die Gesellschaft in einem Land das größte denkbare Ganze. „Gesamtgesellschaftlich“ ist der Superlativ, der Gegenwart und Zukunft in Haftung nimmt.

In der Corona-Krise kommt „gesamtgesellschaftlich“ besonders oft vor. Die Aufgaben, die zu schultern sind, ragen sehr weit in die Zukunft, mindestens, was die finanziellen Folgen betrifft. Deshalb ist es jetzt wichtig zu fragen, ob und wo das Adjektiv wirklich gerechtfertigt ist. Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist in der Pandemie in der Regel eine teure Angelegenheit. Oft soll sie einzelnen Gruppen zugutekommen, aber keinesfalls nur von ihnen finanziert werden.

Das gilt zum Beispiel für die Finanzierung der Pflege, die Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) als gesamtgesellschaftliche Aufgabe deklariert, um den Eigenbeitrag der Pflegebedürftigen für ihre Versorgung auf 700 Euro zu deckeln. Außerdem sollen Beschäftigte in der Pflege besser bezahlt werden – gesamtgesellschaftliche Aufgabe –, ohne dass die Pflegebedürftigen allein dafür bezahlen müssen. Weitere gesamtgesellschaftliche Aufgaben wären der........

© Der Tagesspiegel


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