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Die Benzinpreise dürfen nicht zu einer Abkehr von der Klimapolitik führen

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18.10.2021

Olaf Scholz tankt bekanntlich nicht selbst. Als der SPD-Kanzlerkandidat das im Wahlkampf freimütig zugab und überdies die aktuellen Spritpreise nicht nennen konnte, sorgte das für so viel Spott, dass Markus Söder sich dazu flugs briefen ließ – nur um seinem Unionskollegen Armin Laschet bei der nächstbesten öffentlichen Gelegenheit ins Wort zu fallen und die Benzinpreise selbst vortragen zu können. Dass Söders Zahlen nicht mal genau stimmten – sei’s drum: Wer den Benzinpreis kennt, kann punkten; darin schienen sich alle Politiker im Wahlkampf einig.

Inzwischen gilt allerdings: Wer den Benzinpreis senken kann, kann punkten. Denn spätestens seit Diesel am Wochenende mit einem Preis von 1,555 Euro pro Liter im Bundesdurchschnitt einen Rekordwert erreicht hat, sollten alle Politiker die aktuellen Spritpreise kennen. In den nächsten Wochen dürften weitere Rekorde fallen. Und nicht nur Benzin, sondern auch Heizen wird teurer. Für viele Haushalte wird der Winter eine enorme finanzielle Herausforderung.

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Zu langsam, zu unbequem

Tatsächlich stecken die Verantwortlichen in gleich mehreren Dilemmata. Das erste heißt Zeit. Wochenlang haben SPD, Grüne und FDP über Deutschlands Weg für die kommenden vier Jahre und darüber hinaus nachgedacht. Die einen wollen privates Kapital für grüne Investitionen mobilisieren, die anderen Belastungen über ein Bürgergeld zurückzahlen. Doch das dauert. Die Probleme mit den Energiekosten müssen aber sofort angegangen werden.

Das zweite Dilemma ist das Spannungsfeld zwischen gewollter Belastung und Überforderung der Bürger. Denn dass die Preise für die Nutzung fossiler Energieträger steigen, ist durchaus im Sinne der künftigen Koalitionäre. „Die........

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