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Auch Konservative haben Recht auf politische Heimat

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17.06.2019

Nun ist Joachim Gauck doch kein Bundespräsident mehr, zwei Jahre schon nicht mehr – aber richtungweisend reden kann er noch immer. Und ein Gespür für gesamtgesellschaftliche Veränderung hat er sich außerdem bewahrt. Sein Hinweis darauf, wie mit dem Konservativismus umzugehen sei, hat es in sich.

Denn Tatsache ist: Auch der Konservative hat das Recht auf eine politische Heimat. Will heißen: sich mit tradierten Werten, mit Fortschrittsskepsis, mit dem Wunsch, das Bewährte mit Maß vorsichtig zu verändern, um es zu bewahren, in einer Partei wiederzufinden. Konservativ ist gerade nicht schlicht rechts, ist das Gegenteil von extrem.

Darum hat Gauck Partei ergriffen; zumal Partei vom lateinischen „Pars“ kommt, Teil, hier ganz besonders: Teil des Ganzen, das sich Demokratie nennt. Wie Gauck sich für mutige Intoleranz gegenüber den Intoleranten ausspricht, ist klare Bedingung wie zugleich der Aufruf zu Toleranz gegenüber denen, die rechts der Mitte stehen, sich aber gegen Rechtsaußen abgrenzen. Dialektik der feineren Art – und ein öffnender Weg für diejenigen, die sich als Konservative ungerecht gesehen und zunehmend ausgegrenzt fühlen.

Gauck macht in diesem Fall auch seiner Selbstbeschreibung Ehre. Vor bald einem Jahrzehnt meinte der seinerzeitige Präsidentschaftskandidat im Gespräch mit der „Welt“, das dann groß Runde machte, dass er, um seine Haltung zu begründen, immer Zuflucht........

© Der Tagesspiegel