Klingbeil im Dilemma: Die SPD braucht einen Kopf, keinen Kassenwart |
Machtverzicht ist in der Politik selten ein Zeichen von Klugheit, meist ist er ein Symptom von Schwäche. Was wäre es, wenn Lars Klingbeil sich vom Finanzministerium zurückzöge, Schwäche oder Klugheit?
Es ist eine Frage der Perspektive, in mehrerlei Hinsicht. Perspektiven benötigt die Sozialdemokratie mehr als je zuvor in ihrer gut 160-jährigen Geschichte. Und aus einer bestimmten Sicht ließe sich ein Rückzug Klingbeils aus diesem Regierungsamt als rationaler, sogar notwendiger Schritt lesen – eben nicht als Schwäche, sondern als Korrektur einer strukturell problematischen Situation.
Die Kombination aus Parteivorsitz und Ressortchef ist politisch zwar mächtig, aber auch systematisch verzerrend. Ein Finanzminister ist gezwungen, zu begrenzen, zu priorisieren und häufig unpopuläre Entscheidungen zu vertreten. Ein Parteivorsitzender hingegen muss mobilisieren, zuspitzen und politische Chancen eröffnen.
Stephan-Andreas Casdorff ist Editor-at-Large des Tagesspiegels. Er hofft, dass sich Lars Klingbeil im Sinne der SPD auf sein Amt als Vorsitzender konzentriert. Es gäbe ja auch einen Nachfolger.
Wer beides zugleich ist, gerät zwangsläufig in einen Rollenkonflikt. Entweder verwässert er oder sie die Parteiprogrammatik zugunsten........