Auch nach der Reform der Champions League: Echten Wettbewerb gibt es erst ab dem Viertelfinale |
Dass man Atalanta Bergamo nicht unterschätzen sollte, das hat der deutsche Fußball in der jüngeren Vergangenheit gleich mehrmals auf recht schmerzhafte Weise erfahren müssen. Im Mai 2024 waren es die Norditaliener, die der Mannschaft von Bayer Leverkusen in deren Fabelsaison die einzige Niederlage überhaupt beschert haben – dummerweise im Finale der Europa League.
Und gerade zwei Wochen ist es her, dass Atalanta Borussia Dortmund, den Tabellenzweiten der Bundesliga, aus der Champions League geworfen hat. Nach einer 0:2-Niederlage im Hinspiel in Dortmund.
Wo der BVB im nationalen Vergleich wirklich steht, das hat sich am Dienstagabend noch einmal auf Umwegen gezeigt: als nämlich der FC Bayern München zum Achtelfinalhinspiel der Champions League in Bergamo antreten musste und mit 6:1 über das plötzlich gar nicht mehr so furchterregende Atalanta hinwegfegte.
Stefan Hermanns hat in einer Zeit angefangen, sich für Fußball zu interessieren, als der VfL Bochum ernsthaft glaubte, in der Bundesliga um den Titel mitspielen zu können.
Die größte Spannung bezog der Abend am Ende aus der Frage, ob es die gelbbelasteten Spieler der Münchner wohl tatsächlich schaffen würden, sich möglichst unauffällig eine Verwarnung und damit eine Sperre für das unbedeutende Rückspiel in der kommenden Woche einzuhandeln.
In dieser Saison wird die Champions League zum zweiten Mal in ihrem neuen Format ausgetragen. Es gibt mehr Vereine (36 statt 32), mehr Spiele (189 statt 125) und mehr Geld (2,5 statt 2 Milliarden Euro). Mehr Spannung gibt es nicht.
Richtig interessant wird der Wettbewerb erst ab dem Viertelfinale, wenn die Reichen und Schönen des europäischen Fußballs endlich wieder unter sich sind. Das ist nach der Reform nicht anders als vor der Reform.
Natürlich kann es auch im Achtelfinale einen der Großen erwischen, wie in diesem Jahr Real Madrid oder Manchester City, die das Los bereits in diesem frühen Stadium des Wettbewerbs zueinander geführt hat. Aber solche Ausnahmen – wie auch Bodö/Glimt aus Norwegen – bestätigen nur die Regel.
Die Schwellenklubs aus der Bundesliga kommen gar nicht erst so weit. Wenn es wirklich interessant wird, auch oder gerade finanziell, dann sind sie längst nicht mehr dabei.
Neulinge wie der VfB Stuttgart in der Vorsaison oder Eintracht Frankfurt in dieser schaffen es gar nicht erst ins Achtelfinale; sie haben es sogar nicht einmal in die Play-offs geschafft. Das war im alten Modus übrigens nicht anders. Auch da war für deutsche Klubs jenseits von Bayern, Bayer und BVB meistens nach der Gruppenphase Schluss.
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Es bleibt, wie es war: Die Champions League macht vor allem die Reichen noch reicher. Das ist der eigentliche Zweck dieses Wettbewerbs. Dem FC Bayern München hat die Teilnahme an der Champions League im vergangenen Jahr 106 Millionen Euro beschert. Für den VfB Stuttgart sind 43 Millionen Euro herausgesprungen.
Viel Geld für einen Verein, der noch vor drei Jahren mit einem Bein in der Zweiten Liga stand. Geld, das den Stuttgartern auch im nationalen Wettbewerb einen deutlichen Vorteil verschafft – im Vergleich zu Vereinen wie Borussia Mönchengladbach, Werder Bremen oder Mainz 05.