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Hört auf mit dem Gepansche!

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10.05.2019

Es ist der vielleicht schlimmste Auswuchs der Gentrifizierung. Es folgt dem Geld in immer mehr Kieze. Breitet sich wie Schimmel aus in den Kneipen der Stadt: Craftbier.

Mir ist klar, dass man über Geschmack nicht zu streiten braucht. Es gibt ja auch Leute, die mögen Salbeitee oder Rosé, und ich würde sie trotzdem nicht dafür verurteilen. Was Craftbier – vom Geschmack abgesehen – so unerträglich macht, ist der Hype. Das Selbstverständnis von hippen Brauern, die sich als Szene, als Bewegung, Revolutionäre verstehen. Und das Heer von Hipstern, das einer großen Marketinglüge auch noch zum Siegeszug verhilft. Allein in Berlin-Brandenburg sind in den vergangenen zehn Jahren laut statistischem Bundesamt rund 30 neue Brauereien entstanden.

Der Kaiser Craftbier ist nackt

Soll von mir aus jeder trinken, was er will, aber belehrt mich nicht über die angeblichen Vorzüge von Craftbier und um wie viel es die deutsche Bierkultur bereichert habe. Wäre Bier ein Kaiser, müsste man sagen, Craftbier ist nackt.

Craftbier kommt natürlich aus den USA und bedeutet so viel wie „handwerklich hergestelltes Bier“. Jeder, der in den Staaten mal ein Bier der großen Marken wie Bud Lite oder Miller getrunken hat, ahnt, dass Craftbier dort eine Art Notwehr war. Hobby-Brauer taten sich zusammen und erweiterten den traditions- wie geschmacklosen und von Großkonzernen dominierten US-Markt um eigenständige Sorten. Daher der Mythos.

In Deutschland bedarf es dieser Notwehr nicht. Im Gegenteil. Das beginnt schon damit, was die Amis unter........

© Der Tagesspiegel