We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close
Aa Aa Aa
- A +

Der Kampf ums Internet offenbart einen Generationenkonflikt

4 0 0
23.03.2019

Da sind sie nun also wirklich, die Menschen, die in diesem Internet zuhause sind. Zu Zehntausenden wollen sie an diesem Samstag europaweit auf die Straße gehen und gegen die geplante EU-Urheberrechtsreform demonstrieren, gegen Artikel 13, gegen das, was sie als Zensur empfinden, für die Freiheit des Netzes. Ganz analog. Man soll ja Politiker dort abholen, wo sie sind.

Scheinbar prallen da zwei Welten aufeinander. Vordergründig geht es darum, ob nun die Kritiker der Reform recht haben, die sagen, die Politik habe das Internet nicht verstanden. Oder aber Menschen wie Axel Voss, Verhandlungsführer der Reform auf EU-Seite, die vermuten, die Nerds hätten einfach keinen Respekt vor geistigem Eigentum. Dahinter aber offenbart sich auch ein Generationenkonflikt: Die Entscheidungsträger haben kein Gefühl für jenen Teil der Gesellschaft, für den das Digitale und das Analoge eben nicht zwei verschiedene Welten sind, sondern untrennbar miteinander verknüpfter Lebensraum.

Im Zweifel gegen die Meinungsfreiheit

Das Internet ist längst nicht mehr dieses große Paralleluniversum, als das es startete. Es ist mit seinen vielen Plattformen wie Facebook, Youtube und Instagram aufgeteilt in private und teilprivate Bereiche, in denen sich Millionen von Menschen ihre digitalen Wohnzimmer eingerichtet haben, wo sie sich mit Freunden, Bekannten, Familie austauschen, sich politisch artikulieren. Eine Generation, die morgens mit dem Smartphone aufwacht und deren Abendessen erst wirklich stattgefunden hat, wenn es gepostet wurde. Das Netz durchdringt den Alltag. Das mag belächeln oder bescheuert finden, wer den größten Teils seines Lebens auch ohne Internet bestens zurecht kam. Doch die Politik muss es ernst nehmen.

Denn die Reform greift genau........

© Der Tagesspiegel