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Wir sind den Menschen in Afghanistan schuldig, sie jetzt nicht aufzugeben

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08.08.2021

In der Welt der Kriege hat die Hoffnung meistens keine lange Halbwertszeit. Die Nachricht über die Eroberung von Kundus wäre so gesehen kaum eine Randnotiz wert. Die Region ist immer Taliban-Land geblieben. Der Fall der Stadt – nur eine Frage des Datums.

2015 hatten die Islamisten sie zum ersten Mal überrannt, zwei Jahre, nachdem die Bundeswehr zwei Jahre davor ihr Feldlager geräumt hatte. Die Eroberer wussten um den Symbolwert. Damals hielten sie sich nur wenige Tage. Diesmal bleiben sie, weil keiner mehr in Sicht ist, der ihnen den Sieg streitig machen kann.

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Die Bundeswehr ist inzwischen komplett abgezogen aus Afghanistan. Trotzdem fühlt sich der Fall von Kundus noch im Nachhinein wie die endgültige Niederlage an. 20 Jahre, 59 Tote – und jetzt bricht in ein paar Wochen alles wieder zusammen? Das deprimierende Ende eines Kapitels, das Deutschland besser gar nicht erst aufgeschlagen hätte?

Beim Marschbefehl waren die Bilder von 9/11 noch frisch

Die Frage stellen sich nicht nur prinzipielle Pazifisten. Im Nachhinein fällt das allerdings auch leicht. Als ausgerechnet eine rot-grüne Regierung den Marschbefehl gab, waren die Schreckensbilder der einstürzenden Türme in New York noch frisch. Die Terror-Planer und ihre Gastgeber aus ihrem sicheren Hafen im Hindukusch zu verjagen war vielleicht eine hilflose, aber nicht von vornherein sinnlose Reaktion. Nur ist dem Impuls nie wirklich ein Plan gefolgt.

Klar, den hatte niemand fertig in der Schublade. Dafür ist Afghanistan ein viel zu kompliziertes Land, und dafür fehlte es allen Beteiligten im westlichen Bündnis an Erfahrung. Heute wissen sie vieles besser, was sie damals eben nicht wussten. Wie so oft im politischen Krisenmanagement blieb ihnen dazwischen nur tastendes Durchwursteln.

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Dass am Anfang kein Plan stand, war also normal. Das Problem ist, dass bis zum Ende keiner dazukam, der........

© Der Tagesspiegel


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