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Was aus Greta alles werden kann

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15.08.2019

Wunderkinder sind bisher meist aus den Künsten bekannt. Mozart oder der junge Daniel Barenboim, die Geigerin Anne-Sophie Mutter oder das poetische Genie Arthur Rimbaud, das mit 17 Jahren seine literarische Karriere beschloss. Auch im Sport, im Schach oder bei TV-Quizsendungen werden Frühbegabte zur Attraktion.

Neu aber ist das Phänomen in der Politik. Dass eine heute 16-jährige Schülerin binnen eines Jahres als bis dahin völlig Unbekannte zur Weltberühmtheit aufsteigt, von Regierungsspitzen empfangen wird, internationale Konferenzen prägt und Millionen junge Menschen nicht nur an den Fridays for Future bewegt, das hat es noch nie gegeben.

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Wirkt wie Popstar-Rummel

Jetzt ist Greta Thunberg zusammen mit ihrem Vater und zwei Profiseglern auf einer Yacht zur Atlantiküberquerung gestartet. Das enorme Medienecho, das sie auf ihrem Weg zum UN-Klimagipfel in New York begleitet, mag dabei manche Menschen auch nerven. Es wirkt wie ein Popstar-Rummel. Und ein Star ist das Mädchen allemal – dem kann sie selber gar nicht mehr entkommen. Allerdings ist sie trotz ihrer Popularität eben keine Figur des Showbusiness. Sondern eine politische Person. Wobei das Attribut „Klimaaktivistin“ längst zu kurz greift.

Greta Thunbergs Reden und Interview-Äußerungen sind zumeist erstaunlich reif und zugleich sympathisch formuliert. Immer spricht sie über die Notwendigkeit der Demokratie, nie über eine „Ökodiktatur“, die ihre Gegner unterstellen. Das alles geht weit über einen eher situativen Protest-Aktivismus hinaus. Was ihrem Engagement umso mehr Glaubwürdigkeit verleiht. Freilich, wo der Glaube wächst, gedeiht auch die Verklärung. Vielen erscheint die junge Schwedin in ihrem heiligen Ernst, wenn sie von der Rettung der Erde spricht, schon wie eine moderne Jeanne d’Arc.

Die beiden Amerikas: Trump und Bolsonaro

Selbst an diesem Bild haftet indes ein Stück Wahrheit. Ein Stück realer Politik, ganz jenseits der quasireligiösen Erhöhung. Geht es doch........

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