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Die Politik im Riesensummenfieber

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24.07.2020

Es ist schon recht irre. Alle reden vom Geld. Besonders in Krisenzeiten mangelt es vielen ja schon am Kleingeld. Aber daneben gibt es noch das ganz große Geld. Hierüber wird von Washington bis Brüssel fast immerzu geredet – und trotzdem nicht wirklich. Weil es längst um eigentlich unfassbare Summen geht. Um viel mehr, als dass dieses große Geld noch eine reale und mehr als nur statistische oder Onkel-Dagobert-artig märchenhafte Vorstellung ergibt.

Einst waren eine Million eine Menge und eine Milliarde eine Unmenge Geld. Spätestens seit Weltfinanz- und Euro-Krise geht es unter dem Stichwort „whatever it takes“ für Notenbanken, die EU oder die USA immer mal wieder um mehrere Hundert Milliarden oder zuletzt beim Brüsseler Gipfel um insgesamt etwa 1,8 Billionen. Ob Euro oder Dollar, spielt schon fast keine Rolle mehr.

Was passiert hier eigentlich in den politischen Köpfen? Die Frage gilt ausnahmsweise nicht dem jeweiligen Sinn von (über-)staatlichen Hilfsmaßnahmen. Im Prinzip stehen die gerade gar nicht infrage. Aber staunen muss man doch über die rasante Umwertung aller eben noch scheinbar gültigen Geldwerte.

Die „schwarze Null“ ist bereits Steinzeit. Trotzdem leben wir in einem Land, in dem vor Kurzem noch eine Kassiererin wegen eines falsch verwendeten Pfandbons gekündigt wurde, in dessen Hauptstadt angeblich das Geld fehlt, um marode Klodeckel in den Schulen zu ersetzen oder ein paar Stellen für Radwegeplaner zu besetzen.

Ein Land im Milliardenmodus, in dem zwischen Politik und Wirtschaft zugleich um Centbeträge eines Mindestlohns von bis heute weniger als zehn Euro pro Stunde gestritten wird. Gleichzeitig zückt der Bundesfinanzminister seine „Bazooka“, was irgendwie nach einer Fortentwicklung der Schrotflinte (oder Gießkanne) klingt, aber ein Arsenal von finanziellen Atomraketen meint.

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© Der Tagesspiegel


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