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Auch ein Virus hat keine Macht über das Lachen

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16.05.2020

Otto Waalkes, ein Prominenter der biologischen Risikogruppe, agiert wie viele andere statt auf der Bühne mittels Podcast. Spielt „in der Quarantäne Quitarre“ und macht zu Hause „Ostfriesen-Yoga“ („Aufstehen, hinsetzen, fertig“). Beim Berliner Quatsch Comedy Club lautet die Website-Botschaft: „Je weniger es zu lachen gibt, desto mehr muss man es tun!“ und, deutlich charmanter, „All you need is laugh!“

Klar, dass der von Unheil bedrängte Mensch in schweren Zeiten zuallererst reale Erleichterungen braucht. Soziale und ökonomische Hilfen sowie die Hoffnung auf medizinische Mittel. Die Pandemie ist eine todernste Sache. Bedeutet das aber, dass wir nur todernst über die Folgen streiten dürfen? Gilt das Abstandsverbot auch für den Humor?

„Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“ Der Satz stammt von dem fabelhaften, heute, 110 Jahre nach seinem Tod, fast vergessenen Schriftsteller Julius Otto Bierbaum. Dessen bedeutendster Roman handelt von einem tragikomischen Clown, der zum Ende seiner viel belachten Vorstellung am Strick hängt. Tatsächlich ein Stück Galgenhumor.

Gerade in Krisen bedarf es auch der symbolischen Entlastung. Jeder weiß, dass schon ein Lächeln bisweilen ein Segen ist für die Seele. Wer Sorgen hat, braucht eben nicht nur Likör. Und Humor ist der bessere Ausweg als das Hegen von Verschwörungsgedanken. Die mal mehr, mal weniger witzigen Corona-Memes verbreiten eine neue Netzwärme. Eine Dosis aus dem Humoroffice, täte auch den vielen sich mit den fast immer gleichen Personen um die fast immer gleichen virenpolitischen Fragen im superseriösen Themenkreis drehenden TV-Talkshows gut.

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Stattdessen ist bei allem Überangebot zum Thema Nr. 1 eine mediale Beklommenheit nicht nur aus Anstand und Abstand spürbar. Selbst in Satire-Sendungen wie der ZDF-„heute-show“, die auf ihr Studiopublikum verzichten müssen, verpufft jeder Witz in aseptischer Stille, weil man sich nicht einmal mehr traut, mit einem nostalgischen........

© Der Tagesspiegel


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