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Schöner leben ohne Durchgangsverkehr in Berlin

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26.08.2021

Spaziert man in diesem zweiten Sommer der Pandemie durch die Straßen in Prenzlauer Berg, spürt man, zumal an warmen Abenden, eine veränderte Atmosphäre. Cafés, Restaurants, Weinbars, Kneipen – fast alle haben zusätzliche Tische und Stühle auf die Straßen und Plätze gestellt, die Menschen sitzen draußen, essen, trinken, lachen, vergnügen sich.

Es hat sich, bei aller coronabedingten Zurückhaltung, ein neues Lebensgefühl breit gemacht. Man fühlt sich an Urlaube in Mediterranien erinnert, so lebhaft geht es zu. Die Gehwege scheinen breiter, die Menschen stehen in Grüppchen zusammen, unterhalten sich, Kinder breiten Decken aus und verkaufen ihre Siebensachen, spielen Gummitwist.

Noch schöner war es nur, als in unserer Straße dank einer Baustelle die Durchfahrt für Autos gesperrt war. Der lästige Durchgangsverkehr war spürbar weniger geworden, viel ruhiger war es allemal. Leider ist die Baustelle abgebaut, die Sperrung aufgehoben, Autos brettern wieder ungehindert durch die Straße, um ihren Weg abzukürzen, einen Stau zu umfahren.

Eine Ahnung von Schönheit

Schade, dass es erst eine Pandemie und eine Baustelle braucht, um eine Ahnung davon zu bekommen, wie viel sicherer, ruhiger, schöner das Wohnen, das Leben hier sein könnte. Wenn Straßen als Ort zum Leben wahrgenommen würden und nicht vorrangig als Möglichkeit, sie zu durchfahren. Dazu müsste der öffentliche Raum allerdings mehr an die Bedürfnisse der Menschen und weniger an die des Autoverkehrs angepasst........

© Der Tagesspiegel


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