Im Tagesspiegel vor 80 Jahren: Gegen das Wegsehen und Leugnen |
Geschichte sollte zurück auf die Lehrpläne der Berliner Schulen. Doch zunächst galt es, in diesen Tagen vor 80 Jahren, die Lehrer zu unterrichten.
In einem Artikel mit der Überschrift „Geschichtslehrer auf der Schulbank“ schrieb der Tagesspiegel am 28. September 1946, die „Tendenz des künftigen Geschichtsunterrichtes“ werde „antimilitaristisch und anti-imperialistisch“ sein. Und: „Der KZ-Film ,Die Todesmühlen‘ gehörte ebenfalls zum Lehrstoff.“
Die amerikanische Dokumentation, die in die Ausbildung von Lehrkräften für das kommende demokratische Deutschland eingehen sollte, war im Oktober 1945 uraufgeführt worden und im Januar 1946 in die deutschen Kinos gekommen.
Markus Hesselmann hat 30 der 80 Jahre Tagesspiegel-Geschichte als Redakteur miterlebt. Er schaut gern ins Archiv und holt Artikel aus den frühen Jahren unserer Zeitung ans Licht, jetzt auch für diese Kolumne.
Unter anderem darin zu sehen sind Szenen aus den kurz zuvor von den Alliierten befreiten Konzentrations- und Vernichtungslagern Buchenwald, Bergen-Belsen, Dachau und Auschwitz. Die Dokumentation sollte den Deutschen das Ausmaß der Nazi-Verbrechen vor Augen führen.
Der Historikerin Ulrike Weckel zufolge „sollten die Deutschen durch einen Film über NS-Verbrechen nicht allein aufgeklärt werden, sondern darüber hinaus ihre Mitverantwortung für das verbrecherische Regime erkennen oder doch zumindest Scham darüber empfinden, dass sie Terror, Ausplünderung und Mord im eigenen Land widerstandslos hingenommen hatten“.
Billy Wilder hatte die Aufnahmen geschnitten und sich dafür eingesetzt, „den Film den Deutschen zu zeigen, und zwar möglichst vielen“. So zitiert sein Biograf Hellmuth Karasek den Starregisseur, der vor den Nazis in die USA geflohen war. Billy Wilders Mutter und Stiefvater, Gitla und Bernhard Siedlisker, wurden in deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagern ermordet.
© Imago/mptv/ A. L Whitey Schafer
Für den Tagesspiegel schrieb Friedrich........