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Die Grenzen der eigenen Toleranz

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16.06.2019

Nun hat sich also auch der Ex-Bundespräsident Joachim Gauck zum Umgang der Parteien und der Gesellschaft mit politischen Ansichten rechts, und er meint dabei offenbar ziemlich weit rechts der Mitte, zu Wort gemeldet. Er fordert eine „erweiterte Toleranz in Richtung rechts“, aber auch, zu lernen „mutiger intolerant zu sein“ gegenüber Intoleranten – gleichgültig ob sie politisch rechts oder links stehen.

Allerdings verheddert er sich selbst und offenbart damit auch seine ganze Ratlosigkeit über den Umgang mit den vielen Unzufriedenen, von denen sich ausweislich von Wahlen und Umfragen eine ganze Reihe am ehesten etwas davon versprechen, bei der AfD ihr Kreuzchen zu machen.

Ja, Gauck hat Recht, dass es immer wieder die Diskussion um die Grenzen geben muss. Und, dass das Grundgesetz und alle anderen Gesetze die absolute Grenze sind. Doch bei der von ihm geforderten Toleranz nach rechts stößt er selbst an seine Toleranzgrenze.

Er findet es problematisch, dass die Bundestagsabgeordneten bisher jeden AfD-Kandidaten für den Posten eines Parlamentsvizepräsidenten abgelehnt haben. Aber er selbst will nicht mit dem schon immer am äußersten konservativen Rand agierenden ehemaligen CDU-Mitglied und heutigen AfD-Chef Alexander Gauland auf ein Podium sitzen – weil der sich von „extrem Rechten unterstützen lässt“ und aus seiner Sicht reaktionär ist. Wo bleibt da die........

© Der Tagesspiegel