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Wann kommt es zum Knall?

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05.01.2020

Saskia Esken gehört offenbar zu den Menschen, die ihre eigene Meinung oft, schnell und ungefiltert in die Welt tragen müssen. Eine Weihnachtspause jedenfalls hat sich die neue SPD-Chefin kaum gegönnt. Während es sich andere Menschen zwischen den Jahren unterm Tannenbaum gut gehen ließen, forderte die SPD-Politikerin Tempo 130, verurteilte die Rücknahme des Kinderliedes „Unsere Oma ist ne alte Umweltsau“ durch den WDR scharf und stellte nach den Ausschreitungen in Leipzig-Connewitz im Schulterschluss mit der Linkspartei die Taktik der Polizei infrage.

Das mag ein neuer Stil im Vergleich zu ihren Vorgängern und auch zu ihrem Ko-Vorsitzenden Norbert Walter-Borjans sein, doch davon geht weder die Welt noch die große Koalition unter. Noch sind die wichtigsten Politiker von CDU und CSU entschlossen, den beiden Neuen an der Spitze ihres Koalitionspartners trotz Stirnrunzeln mit viel gutem Willen zu begegnen und das Regierungsbündnis fortzusetzen. Daran ändern auch Tweets von Saskia Esken nichts.

Dabei war es keineswegs absehbar, dass die große Koalition Anfang 2020 noch bestehen würde, als der Sieg von Esken und Walter-Borjans beim Mitgliederentscheid am Abend des 30. November verkündet wurde. Vor allem Esken hatte den Bruch des Regierungsbündnisses mit der Union als Ziel ausgegeben – weit radikaler als Walter-Borjans. Dass das alte Partei-Establishment ausgedient habe, dass alles anders werden müsse, war ihr Versprechen.

Doch seit die beiden neuen Parteichefs im fünften Stock des Willy-Brandt-Hauses eingezogen sind, haben sich viele ihrer Gesprächspartner aus der SPD-Ministerriege und aus der Bundestagsfraktion darum verdient gemacht, ihnen ihre ursprünglichen Pläne auszureden.

Die an Ausgleich, Berechenbarkeit und Kontinuität orientierten Sozialdemokraten hatte den Durchmarsch der Herausforderer beim Mitgliederentscheid nicht verhindern können. Doch nun haben sie erfolgreich verhindert, dass beide ihr........

© Der Tagesspiegel