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"Wiederentdecken, was es bedeutet, britisch zu sein"

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07.06.2019

- Gordon Brown (Labour Party) war von Juni 2007 bis Mai 2010 Premierminister von Großbritannien und isi inzwischen Sonderbeauftragter der Vereinten Nationen für globale Bildung und Vorsitzender der Internationalen Kommission „Financing Global Education Opportunity“.

Nach drei Tagen Pomp und militärischen Ehren, die das Bild eines scheinbar unveränderlichen Großbritannien präsentierten, hat US-Präsident Donald Trump London nun verlassen. Aber hinter der prunkvollen Fassade wird Großbritannien nicht nur vollkommen von einem festgefahrenen Brexit-Prozess und der endlosen Debatte darüber in Anspruch genommen, sondern auch von einer weitaus tiefgreifenderen Identitätskrise: einem Ringen um die Wiederentdeckung dessen, was es bedeutet, britisch zu sein.

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Es ist eine bittere Ironie, dass diese Woche auch der 75. Jahrestag des D-Days begangen wird, mit dem die Befreiung Europas vom Faschismus begann. Die derzeit regierende Konservative Partei scheint nun wild entschlossen, jeglichem Abkommen mit der Europäischen Union abzuschwören, einen No-Deal-Brexit zu erklären und am 31. Oktober ungeordnet aus der EU auszutreten – ein Ergebnis, das der Erklärung eines Wirtschaftskrieges gegen die kontinentalen Nachbarn Großbritanniens gleichkommen würde.

Der Ärmelkanal ist kein Festungsgraben

Das Großbritannien, das lange Zeit stolz darauf war, pragmatisch, tolerant und fair zu sein, läuft nun Gefahr, einen von Weltabgewandtheit, Intoleranz und Konfrontation geprägten Nativismus auszubilden.

Dabei hat uns unser Inselstatus über Jahrhunderte hinweg den Blick nach außen richten lassen; als Entdecker, Händler, Missionare, Diplomaten und abenteuerlustige Kaufmänner, die den Ärmelkanal nicht als Festungsgraben, sondern als schnelle Verbindung in die Ferne betrachteten.

Wir waren unter den ersten, die politische Toleranz praktizierten. Lange vor der Amerikanischen Revolution, wie der französische Philosoph Montesquieu (vielleicht widerstrebend) zugab, hatte Großbritannien der modernen Idee von Freiheit den Weg bereitet. In den folgenden Jahrhunderten haben wir uns für das eingesetzt, was Winston Churchill als eines unserer wichtigsten nationalen Merkmale definiert hat: den Glauben an das, was er „Fair Play“ nannte.

Aber der kometenhafte Aufstieg der Brexit-Partei, angeführt vom europafeindlichen Nigel Farage, und der Erfolg, mit dem Farage die Bedingungen für die Wahl des nächsten konservativen Premierministers festgelegt hat, lässt die übrige Welt mit der Frage zurück, was mit dem gemäßigten, rationalen, nicht-ideologischen Großbritannien passiert ist, das für seinen Empirismus und den Glauben an evolutionäre statt revolutionäre Veränderung bekannt ist.

Farage hat mehr Le Pen zu tun als mit britischen Werten

Farage hat mehr mit der rechtsextremen Marine Le Pen in Frankreich, mit Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in ihrem mutwilligen Wunsch gemeinsam, jede Institution zu zerstören, die als „global“ oder „europäisch“ bezeichnet wird, als mit traditionellen britischen Werten. Und indem er Patriotismus mit einem primitiven, Wir-gegen-die-Nativismus gleichsetzt, der Einwanderer, Europäer und Muslime ins Visier nimmt und verteufelt, versucht er eine Neudefinition unseres Landes als introvertiert und fremdenfeindlich – und reißt damit unsere Geschichte und das, was es bedeutet, Brite zu sein, an sich.

In einem durchgesickerten 14-seitigen Memo beschreibt Großbritanniens ranghöchster Beamter, dass die Preise bei einem No-Deal-Brexit um zehn Prozent steigen würden, eine Rezession folgen würde und öffentliche Unruhen nicht auszuschließen seien. Darüber hinaus könnte ein ungeordneter Brexit das Aus für das Friedensabkommen mit Nordirland bedeuten und die Union mit Schottland gefährden. Aber dank Farage – und des Faragismus, der von der regierenden Konservativen Partei Besitz ergriffen hat – wird ein Akt der wirtschaftlichen........

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