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Dieses Hohe Haus hält die EU zusammen

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31.03.2019

Nach dem Prinzip, dass alles, was theoretisch möglich ist, auch praktisch eintreten kann, darf man selbst dies nicht ausschließen: dass die Briten am 23. Mai ihre 73 Abgeordneten für das Europäische Parlament wählen. Dass sie es zähneknirschend tun müssen, weil sie das mit dem Brexit einfach nicht hinkriegen.

Käme es so, gäbe es erhebliches Rumpeln im europäischen Getriebe, denn beim Ausscheiden der Insulaner erhöht sich aus Proporzgründen für 14 der 27 verbleibenden Nationen die Zahl der Sitze, obwohl die Gesamtzahl der Mandatsträger von 750 auf 705 reduziert wird. Dieser Schlüssel müsste wieder zurückgedreht werden.

Wahrscheinlicher ist jedoch ein anderes Szenario: Dem größten demokratischen Parlament der Welt, wie die deutsche Bundeskanzlerin bei einer Rede in Straßburg ihrem Auditorium einmal schmeichelte, werden künftig keine Repräsentanten der ältesten Demokratie der Welt mehr angehören. Das ist, wie man den Brexit auch immer bewertet, ein herber Verlust.

Dennoch: Die 705 Frauen und Männer aus 27 Nationen, die sich am 2. Juli das erste Mal versammeln, werden dann die politische Stimme von 450 Millionen Menschen sein. Das ist zwar nicht das ganze demokratische Europa, wie Kritiker einwenden. Norwegen, die Schweiz und Island zum Beispiel sind aus eigenem Willen nicht Mitglieder der Union. Aber einen Moment des Nachdenkens über die oft blutige Geschichte unseres Kontinents in den vergangenen 100 Jahren sind diese Fakten schon wert, auch wenn man Europas Ziele nicht nur über die Lehren aus der Vergangenheit definieren darf.

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