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Deutschland muss sich seiner Verantwortung bewusst werden

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04.04.2019

Außenminister – das ist ein schöner Job. Im innerdeutschen Ansehen steht der Chef des Auswärtigen Amts immer ziemlich weit oben. Außenminister kann aber auch stressig bis peinlich stressig sein. Am Donnerstag zum Beispiel, wenn Heiko Maas bei dem großen Nato-Jubiläumstermin zum 70. Bestehen des Bündnisses in Washington erklären muss, warum 1,5 gleich zwei ist. Das glaubt ihm weder Donald Trump noch sonst irgendein Staats- oder Regierungschef aus einem Mitgliedsland des Verteidigungsbündnisses. Deutschland hat sich nun einmal verpflichtet, seine direkten Verteidigungsausgaben auf zwei und nicht 1,5 Prozent der Wirtschaftsleistung zu steigern. Es bleibt dabei auch hier wieder zeigt sich, dass: Das Land hat inzwischen den Ruf, eher Deutschland eher verbal als faktisch leistungsstark zu sein ist.

Seit fast 30 Jahren ist das vereinte Deutschland auf der internationalen Bühne präsent, mit allen Rechten und mit allen Pflichten. In der Verteidigungsgemeinschaft Nato, die 70 Jahre alt wird. In den Vereinten Nationen, wo Deutschland mit einer zur Verantwortung geradezu zwingenden beeindruckenden Mehrheit für zwei Jahre als nichtständiges Mitglied des Sicherheitsrates gewählt worden ist. Und in der Europäischen Union, von der sich Deutschland erst geschmeichelt das Charakteristikum des „guten Hegemon“ zuschreiben ließ und dann schnell zu spüren bekam, dass eine Vormacht nie geliebt wird.

Deutschland hat seine Pflichten noch nicht verinnerlicht

Was in der Zeit der Teilung nicht möglich war oder den Deutschen erspart blieb, weil im Konfliktfall Deutsche Deutschen gegenübergestanden hätten – politisch oder militärisch –, wird heute von uns erwartet: Verantwortung zu übernehmen. Und überall da, wo wir uns sich der Herausforderung nur zögerlich und floskelreich genähert wird, werden uns die Erwartungen inzwischen ungeschminkt präsentiert. Es zeigt sich, dass Deutschland seine Pflichten noch nicht verinnerlicht hat. Pflichten, die ihm wegen seiner Größe, seines Wirtschaftspotenzials und der geografischen Lage in der Mitte Europas zufallen.

Ob in der EU, in der Nato oder in den Vereinten Nationen – zwischen Anspruch und Wirklichkeit klaffen........

© Der Tagesspiegel