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Abschied vom globalen Wir-Gefühl

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29.06.2019

Die Welt im Gleichgewicht halten. Erfahrungsaustausch zwischen den Industrienationen und den wichtigsten Schwellen- und Wachstumsländern. Handelsschranken abbauen. Dies alles ist Zweck der G-20-Konferenzen. Gerade jetzt tagen die politischen Entscheidungsträger wieder, diesmal im japanischen Osaka.

Wird es der letzte G-20-Gipfel sein? Zerschellt dieses Konferenzformat am Egoismus einzelner Teilnehmer? Viel steht auf dem Spiel.

Tagesspiegel Morgenlage

Der Überblick über die Themen des Tages aus Politik und Wirtschaft, z.B. von Maria Fiedler

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Ein Rückblick. Der jugoslawische Präsident Josep Broz Tito starb am 4. Mai 1980. Zu seiner Beisetzung kamen 209 Delegationen aus 127 Staaten. Das war Ehrenbezeugung vor der Integrationskraft dieses Staatsmannes. Vor allem jedoch traf sich die politische Welt in Belgrad, weil es viel zu besprechen gab, aber kaum Gelegenheiten dazu. „So ein Begräbnis müsste jedes Jahr sein“, zitierte der „Spiegel“ damals Helmut Schmidt. Im angelsächsischen Raum nennt man das „working funeral“.
Die Zahl der Beerdigungen hat seitdem nicht zugenommen - stattdessen die der internationalen Konferenzen, deren Sinn nicht nur in Erfolgsnachrichten liegt, sondern in der Möglichkeit zum diskreten Austausch von Positionen und Anbahnen von Lösungen.

Die G-20-Gipfel gibt es seit 1999. Der erste fand auf der Ebene der Finanzminister 1999 in Berlin statt. Wegen der globalen Finanzkrise wurde die Besetzung 2008 auf das Niveau der Staats- und Regierungschefs angehoben. Dass alle daran festhalten, ist der Hoffnung zu verdanken, dass jeder von der Teilnahme profitieren würde.

Seit aber in einigen Staaten das Gefühl wächst, solche Treffen seien fruchtlos, werden sie diese Konferenzen infrage stellen. Die USA, die Sowjetunion, später auch China haben lange durchaus erfolgreich versucht, die Welt in ökonomische und strategische Einflusszonen aufzuteilen. Sollten sie das jetzt wieder, im Rahmen von G 20, planen und sich dabei wie die „Großen........

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