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Das Urteil dient auch der Abschreckung

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26.03.2019

Das erstinstanzliche Urteil von Februar 2017 war eine Sensation: Höchststrafe für die Raserei auf dem Kudamm, an deren Ende ein Mensch tot war. Es wurde bejubelt von all jenen, denen das mutwillig aggressive und rücksichtslose Autofahren in Innenstädten längst zum Schrecken geworden war und denen die dafür – wenn überhaupt – verhängten Strafen viel zu milde erschienen. Doch dann hob der Bundesgerichtshof das Urteil auf. Er hatte Zweifel am Tötungsvorsatz der beiden Fahrer und verwies die Sache zurück.

Nun hat eine andere Schwurgerichtskammer des Berliner Landgerichts erneut geurteilt, und die Erleichterung dürfte bei vielen groß sein. Das Urteil wurde im Ergebnis bestätigt, und mehr noch: Die 32. Strafkammer ging über das erstinstanzliche Urteil hinaus. Sie sah nicht nur ein, sondern drei Mordmerkmale als erfüllt an und folgte damit weitestgehend der Staatsanwaltschaft.

Die Kammer hatte auch keine Zweifel am Vorsatz. Den Rasern sei es darum gegangen, um jeden Preis zu gewinnen. Kurz vor dem Unfall ahnte der Fahrer Marvin N. die Gefahr seines Tuns und ging kurz vom Gas, dann aber beschleunigte er wieder, um das Rennen gegen den zweiten Beteiligten Hamdi H. zu gewinnen. Es hat den Moment des Zögerns also gegeben, N. hätte anders entscheiden können, aber er tat es nicht.

Im Inkaufnehmen des Todes liegt der Vorsatz

Hier liegt der Vorsatz, das Inkaufnehmen des Todes, auch des eigenen. In dem unbedingten Wunsch, das Rennen zu gewinnen, sah das Gericht jetzt das Vorliegen niedriger Beweggründe, weil aus nichtigem Anlass Menschenleben........

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