We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close
Aa Aa Aa
- A +

Flugscham? Wie wäre es denn mit Bahnscham!

6 0 0
28.07.2019

Im Jahr 30 nach dem Mauerfall ist der Ausflug nach Usedom schon lange überfällig. Die berühmte "Badewanne" erkunden, endlich, das Traumziel der Berliner über so lange Zeit. Seltsam, dass einem der Bahn-Navigator dabei überwiegend Verbindungen anzeigt, bei denen man zwei- oder dreimal umsteigen muss. Ein Lieblingsziel sollte doch möglichst einfach mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sein. Zumal der ADAC-Berater von einer Fahrt mit dem Auto abgeraten hat.

Da gebe es gar nicht so viele Parkplätze, und das Abstellen des Autos sei auch teuer. Ohnehin, die Fahrt soll an einem Sonntagmittag starten, da sollte es im Zug ruhig sein. Bis Bernau, dem offensichtlich günstigsten Ausgangspunkt einer Fahrt nach Usedom, wird die S-Bahn immer voller. Riesenplüschpandas, Koffer mit karierten Schleifen, bunte Sandeimer mit Förmchen und Schaufeln, Reisetaschen kurz vor dem Platzen, coole Rucksäcke, hohe Kinderwagen, lärmende jugendliche Gruppen. Fahrräder natürlich.

Das alles ergießt sich als bunte Masse auf den Regionalbahnsteig, wo ein kurzer Zug wartet, der schon vor der Abfahrt überfüllt ist. Unfassbare Mengen Gepäck, das, anders als im Flugzeug, nichts extra kostet, aber dafür auch nicht wirklich genug Ablagefläche findet. Rasch packen Kinder, die sich irgendwie hinhocken oder gar zu zweit oder zu dritt einen Sitz ergattern konnten, neonfarbene Plastikdosen mit Proviant aus: „Ich bin sooo hungrig!“.

Schaffnerin am Rande des Nervenzusammenbruchs

Man zeigt einander Marmeladenbrote, Käsestullen, Wurstbrötchen, Vorratsbeutel mit Apfelschnitzen. Erstaunlich die kleinen Mädchen, die noch auf Papier malen und keinerlei Neid aufs Smartphone zeigen. Beim nächsten Umstieg in eine Insel-Bahn wird es noch voller. Zwar sind in diesen Zügen die Sitze genialerweise so hoch, dass man........

© Der Tagesspiegel