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Nur keine Eigentore mehr

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20.06.2021

Krach auf offener Bühne gab es dieses Mal nicht. Für die Linkspartei ist das im Vergleich mit früheren Parteitagen schon ein Fortschritt. Die sonst so streitlustige Partei segnete das Programm für die Bundestagswahl ohne größere Verwerfungen ab. Das könnte eine gute Nachricht für eine Partei sein, die sich zum ersten Mal in ihrer Geschichte ernsthaft die Frage stellt, ob sie gegebenenfalls auf Bundesebene mitregieren sollte. Allerdings ist die Stimmung in der Partei denkbar schlecht.

Die alten Grabenkämpfe, die die Linke seit Jahren lähmen und die zugleich ihr Bild in der Öffentlichkeit prägen, sind ausgerechnet im Wahljahr erneut offen zutage getreten. Die Wahl einer neuen Parteispitze im Februar hatte eigentlich ein Ende des Machtgerangels und einen Aufbruch ins Wahljahr signalisieren sollen. Doch das ging gründlich schief. Kurze Zeit später rechnete Sahra Wagenknecht in einem neuen Buch öffentlich mit ihrer Partei ab, das Etikett „Lifestyle-Linke“ blieb hängen. Im beginnenden Wahlkampf war das für ihre Partei ein Eigentor.

Ginge es Wagenknecht wirklich darum, ihre Partei inhaltlich anders auszurichten, hätte sie ihre Ideen in die Erarbeitung des neuen Wahlprogramms einbringen können. Die so redegewandte Politikerin meldete sich aber weder auf diesem noch auf dem letzten Parteitag zu Wort. Allerdings hätte sie wohl kaum eine Mehrheit hinter sich gehabt.

Ausschlussverfahren gegen Wagenknecht

Mit ihren öffentlichen Auftritten will die Spitzenkandidatin in NRW auch für ihre Partei werben, doch zugleich schreckt ihre scharfe Kritik am Einsatz für Minderheiten andere Anhängerinnen und Anhänger der Linkspartei ab. Ein von einigen Mitgliedern in NRW beantragtes Ausschlussverfahren gegen Wagenknecht zeigt, wie tief die Gräben in der Linkspartei mittlerweile sind. Als wäre das noch nicht genug, rief Wagenknechts Mann Oskar Lafontaine auch noch dazu auf, im Saarland die Linke nicht zu wählen. Schon hatte die Partei das nächste Eigentor kassiert.

Zur innerlichen Zerrissenheit der Partei kommen das desaströse Ergebnis in Sachsen-Anhalt und Umfragewerte, die der Fünf-Prozent-Hürde gefährlich........

© Der Tagesspiegel


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