We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close
Aa Aa Aa
- A +

Die wichtigsten Ziele haben die Demonstranten nicht erreicht

1 0 0
09.08.2021

Die Bilder aus Belarus gingen um die Welt. Vor einem Jahr, am Abend des 9. August 2020, demonstrierten in der Hauptstadt Minsk mehr als 100 000 Menschen gegen die offensichtlich gefälschte Präsidentenwahl, die an dem Sonntag zu Ende gegangen war. Schon in den Wochen zuvor hatte eine bisher unbekannte Aufbruchstimmung das ganze Land erfasst. Der oppositionellen Präsidentschaftskandidatin Swetlana Tichanowskaja war es gelungen, die Menschen in Belarus zu begeistern, die sich nach Freiheit und Demokratie sehnten, aber kaum noch an einen Wandel geglaubt hatten.

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Dagegen wirkte der Diktator Alexander Lukaschenko wie ein Relikt aus einer fast vergessenen Epoche. Auf die Demonstrationen reagierte das Regime mit massiver Repression, mit Festnahmen, Gewalt und sogar Folter. Selbst dadurch ließ sich die Protestbewegung nicht abschrecken, und in der folgenden Woche gingen wieder Zehntausende auf die Straße.

Doch auch ein Jahr nach dem Beginn der Proteste ist Freiheit für die Menschen in Belarus noch immer nur ein Traum. Die Führungsfiguren der Demokratiebewegung sind entweder im erzwungenen Exil, so wie Swetlana Tichanowskaja, die bereits kurz nach der Wahl das Land verließ, oder sie sitzen hinter Gittern, wie ihre Mitstreiterin Maria Kolesnikowa, der in einem gerade begonnenen Gerichtsverfahren eine lange Haftstrafe droht. Ist die Demokratiebewegung also gescheitert?

Das Regime setzt weiter auf Gewalt

Ihre wichtigsten Ziele – eine Freilassung der politischen Gefangenen und faire Neuwahlen – haben die Demonstrantinnen und Demonstranten von damals nicht erreicht. Heute gibt es mehr politische Gefangene in Belarus als vor einem Jahr, und Lukaschenko ist nicht einmal zum Dialog mit der Opposition bereit.

[Lesen Sie bei T-Plus: So funktioniert das System Lukaschenko.]

Das Regime, das die Sicherheitskräfte weiter hinter sich hat, setzt auf maximale Repression. Derzeit wird eine Nichtregierungsorganisation nach der anderen........

© Der Tagesspiegel


Get it on Google Play