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Trump gerät in die Defensive

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16.06.2019

Hat der Wolf Kreide gefressen? Von Donald Trump ist man gewohnt, dass er verantwortungslos daherredet und Widerspruch ihn zu noch schärferen Worten anstachelt. Gibt ein Gegner keine Ruhe, verbindet Trump seine Attacken mit einer Beleidigung. Bei herabwürdigenden Spitznamen kennt seine Fantasie keine Grenzen: „Crooked Hillary“ Clinton, „Low energy Jeb“ Bush, „Lying Ted“ Cruz, „Crazy Nancy“ Pelosi in der Innenpolitik. „Little Rocket Man“ Kim Jong Un in der Außenpolitik.

Nun ist Überraschendes geschehen. Trump gibt nach, in der Innen- und in der Außenpolitik. Selbstverständlich werde er schmutzige Informationen aus dem Ausland über seine Gegner im Wahlkampf verwenden, hatte er zunächst gesagt. Das weckte Erinnerungen: Sein Team hatte sich 2016 mit einer Russin getroffen, die politische Munition gegen Hillary Clinton anbot.

Wahlkampfhilfe aus dem Ausland ist in den USA verboten. Wenn eine ausländische Macht fragwürdiges Material offeriert, das womöglich illegal beschafft wurde, durch Hacking, muss man das dem FBI melden. Unsinn, beharrte Trump. Im realen Leben würde jeder so eine Hilfe annehmen. Nach heftiger Kritik zog er zurück: „Klar, so einen Vorfall würde ich dem FBI oder dem Staatsanwalt melden. Absolut.“

Den Druck auf den Iran hatte Trump seit Monaten erhöht, mit Sanktionen und mit Worten. Nach dem ersten Angriff auf Tanker im Persischen Golf im Mai hatte er per Tweet gedroht: „Wenn Iran einen Kampf will, wird er zum offiziellen Ende Irans führen.“ Nun, nach dem erneuten Angriff auf zwei Tanker, hat er die Rhetorik nicht etwa verschärft. Er hält sich zurück. Keine Drohungen, keine Tweets.

Beide Kurswechsel weisen auf ein ähnliches Muster hin. Trump geht rücksichtslos vor, aber nicht blind. Er greift an, solange er sich davon Vorteile verspricht, hält aber inne, wenn ein „Point of no Return“ droht. In der Innenpolitik hat der Präsidentschaftswahlkampf 2020 begonnen. In zehn Tagen stehen die ersten TV-Debatten........

© Der Tagesspiegel