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Deutschland muss zeigen, dass der Doppelausstieg gelingen kann

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14.10.2021

Holen die Vorkämpferinnen und Vorkämpfer jetzt nochmal die längst abgelegten, oliv vergrauten Parkas mit den inzwischen nur noch blassgelben Aufnähern aus den Schränken? „Atomkraft? Nein Danke“ stand im Fokus ihres Generationenprojekts, von Wyhl über Wackersdorf bis Gorleben.

Vor dem Pensionsalter durften sie den Erfolg feiern. Nach einem langen Marsch durch die Institutionen, der Gründung der grünen Partei, deren Regierungsbeteiligung und dem Reaktorunglück in Fukushima war der Atomausstieg besiegelt, jedenfalls in Deutschland.

Tagesspiegel Background Energie & Klima

Schlachtruf einer Generation in Deutschland: Atomkraft? Nein Danke.Foto: David Ebener/dpa

Das Motiv ist nicht naive Fortschrittsgläubigkeit wie in den 1950er Jahren. Es gehe um die schwierige Abwägung zwischen „einer schlechten und einer sehr schlechten Lösung“, sagen die Liberalen in Belgien. Dort droht die Koalition aus sieben Parteien an der Frage zu zerbrechen, ob die in die Jahre gekommenen Akws bis 2025 abgeschaltet oder erneuert werden.

Erneuerbare Energien werden die Lücke nicht so rasch füllen. Wer aber möchte sich angesichts stark steigender Gaspreise von Wladimir Putins Erdgas als „Brückentechnologie“ abhängig machen.

In Deutschland konzentrieren sich die Widersprüche

Wo bleibt da Deutschland? Es ist ein Orientierungspunkt für Befürworter wie Gegner eines parallelen Doppelausstiegs aus Kohle- und Atomkraft. Denn hier konzentrieren sich die Widersprüche. Es ist eine offene Wette, ob die deutsche Energiewende zum wegweisenden oder abschreckenden Beispiel wird.

Die Reihenfolge der Ausstiege war nicht optimal. Erst die Kohlekraftwerke abschalten, und in dem Tempo, in dem die Erneuerbaren das ausgleichen, die Akws vom Netz nehmen: Das hätte die Operation erleichtert.

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