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Biden beendet die Ära des Demokratieexports

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02.09.2021

Was war schockierender an Joe Bidens Rede über den Abzug aus Afghanistan: die Weigerung, eigene Fehler einzuräumen, oder die Ausrufung einer neuen Zeit, in der es kein Ziel des Westens mehr sein solle, Demokratie zu exportieren?

Über den ersten Teil, die Schuldzuweisung an andere, voran Donald Trumps Absprachen mit den Taliban, darf man sich empören. Folgenreicher für Deutschland und Europa ist der zweite Teil.

Man darf ihn getrost als neue Doktrin, die Biden-Doktrin, betrachten. „Bei dieser Entscheidung geht es nicht nur um Afghanistan. Es geht darum, die Ära militärischer Operationen mit dem Ziel, andere Länder umzugestalten, zu beenden“, sagt Biden.

Biden stellt das deutsche Denken auf den Kopf

Das stellt das komplette Konzept in Frage, mit dem deutsche Regierungs- wie Oppositionsparteien bisher Missionen wie in Afghanistan begründet haben. Kurz gefasst war ihr Credo: Militärische Gewalt ist moralisch schlecht; ihr Einsatz mag im Extremfall unumgänglich sein, um Gefahr von den eigenen Bürgern abzuwenden. Um sie zu rechtfertigen, muss der Westen dem betroffenen Land beim Wiederaufbau helfen – was den Aufbau demokratischer Strukturen nach westlichem Muster einschließt.

Republikaner werfen Präsident Biden vor, er habe die USA durch den Abzug geschwächt.Foto: Alex Wong/Getty Images/AFP

Biden erklärt solche Ziele für Humbug – mehr noch: für kontraproduktiv. Nicht nur das „Nationbuilding“, das in der Tat ein überehrgeiziges Ziel für Afghanistan war angesichts des Nebeneinanders verschiedener Stämme, Sprachen und........

© Der Tagesspiegel


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