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Nicht inhaltlich anspruchsvoll, aber immerhin ein Kampf

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12.09.2021

Na klar, es ist ein Tiefpunkt in diesem Wahlkampf, wie sich Union und SPD über diesen einen Satz von Armin Laschet duellieren. „In all den Entscheidungen der Nachkriegsgeschichte standen Sozialdemokraten immer auf der falschen Seite“, sagte Unions-Kanzlerkandidat Laschet auf dem CSU-Parteitag und bringt die SPD damit natürlich in Rage.

Dabei ist so vieles daran verkorkst. Erstens, dass Laschets Zusatz „in der Finanz- und Wirtschaftspolitik“ von der SPD einfach ausgeblendet wird. Ohne diesen Halbsatz lässt sich eben besser wahlkämpfen. Zweitens, dass Laschet genau diesen Halbsatz erst nach einer kleinen und noch nicht mal gut gesetzten Kunstpause gesagt hat. Applaus gab es auf dem Parteitag dafür nicht – den gab es schon vorher für das Strauß-Zitat „Irren ist menschlich, immer irren ist sozialdemokratisch“.

Drittens, dass man nicht genau weiß, ob die halbe Kunstpause Absicht oder Zufall war. War es Absicht, dann war es nicht wirklich gut inszeniert. Und viertens, dass es inhaltlich nicht wirklich geschickt war, denn wenn eines bei der SPD funktioniert, dann der Zusammenhalt angesichts der eigenen historischen Erfolge als älteste Partei Deutschlands.

Nicht dass aus den Umfragen ein Zahlen-Soufflé wird

Diese kleine Episode zeigt aber auch, wie angespannt beide Lager sind. Die Union versucht verzweifelt, den entstandenen Rückstand irgendwie noch aufzuholen – ihr sind fast alle Mittel recht. Und die SPD kontert, will ihre Leute mobilisieren, denn es sind noch zwei Wochen und eines will man auf jeden Fall vermeiden: das trügerische Gefühl, schon gewonnen zu haben. Noch traut die SPD den Umfrage-Erfolgen nicht. Zu Recht. Im Finanzministerium von Olaf Scholz gab es in dieser Woche eine Durchsuchung – sie richtete sich gegen Mitarbeiter einer Einheit zur Bekämpfung von Geldwäsche. Aber was, wenn das aus Sicht mancher Wähler an Scholz hängen bleibt? Nicht dass........

© Der Tagesspiegel


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