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Eine schwarz-grüne Niederlage

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26.09.2021

Deutschland hat gewählt. Und sich gegen einen harten Kurswechsel entschieden. Weder sieht es nach radikaler ökologischer Wende aus noch nach einem neuen marktwirtschaftlichen Zeitalter. Auch wenn die ersten Zahlen noch mit Vorsicht zu genießen sind, kann man zumindest festhalten, dass Union und Grüne an ihrem eigenen Anspruch gescheitert sind.

Zu Beginn des Wahlkampfes konnte man von einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen beiden Parteien ausgehen. Die Grünen sahen sich schon als neue Öko-Volkspartei und die Union glaubte, nach 16 Jahren Angela Merkel, das Kanzleramt einfach vererbt zu bekommen. Beides entpuppte sich als das, was es von Beginn an war: eine Illusion.

Die Grünen haben mit einer Kanzlerkandidatur den Anspruch angemeldet, das Land zu führen. Mindestens den zweiten Platz wollten sie sich sichern. Beides, so viel lässt sich sagen, haben sie nicht geschafft. Natürlich spielten sowohl bei den Grünen als auch der Union individuelle Fehler eine Rolle. Annalena Baerbock misslang der Start durch den Umgang mit ihrem ungenauen Lebenslauf, einer verpatzten Parteitagsrede und einer ganzen Kette an Entschuldigungen. Armin Laschet wiederum wurde ein Lacher an der falschen Stelle zum Verhängnis, dazu Störmanöver aus München von der CSU und Beliebtheitswerte, die nie wirklich Beliebtheit ausdrückten.

Aber neben diesen Fehlern zeigt das Abschneiden der Parteien eben auch, dass Deutschland auf der einen Seite den ganz großen Klimawurf offenbar noch scheut und auf der anderen Seite ein Programm, das ohne Botschaft, ohne klare Linie daherkommt, auch missbilligt.

Profitieren können vor allem SPD und FDP. Die Sozialdemokraten dürften selbst am meisten überrascht sein. Zum einen über sich selbst, dass sie es geschafft haben, einen Wahlkampf zu führen, der ohne interne Querschüsse auskam, ohne Richtungsstreit oder Schuldzuweisungen für die Politik aus 16 Jahren. Zum anderen über die Stärke ihres Kandidaten. Olaf Scholz wurde früh als Kanzlerkandidat ausgerufen, was sich offenbar gelohnt hat. Zumindest konnte er stets auf die besten........

© Der Tagesspiegel


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