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Explosive Ambivalenz gegenüber dem Staat

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22.09.2021

Anerkennung und Respekt sind Schlüsselbegriffe der Gegenwart, auch im Wahlkampf. Allenthalben wird Anerkennung gefordert, für Leistungen und Lebenslagen, für Haltungen und Bedürfnisse. Völlig berechtigte Anliegen wetteifern dabei mit überspannten Ansprüchen. Mitunter vermengt sich beides zu einem wirren Cocktail.

Welche Affekte sich in dem 49-Jährigen zusammengebraut hatten, der am Samstagabend aus Wut über die Ermahnung, eine Schutzmaske zu tragen, einen jungen Kassierer an einer Tankstelle erschoss, wird sich mit der Zeit erst zeigen.

Der Täter habe, so zitiert ihn der Oberstaatsanwalt von Bad Kreuznach, sich von den Regeln zum Schutz vor Corona „in die Ecke gedrängt“ gefühlt.

In dem Angestellten habe er jemanden gesehen, der „verantwortlich für die Gesamtsituation“ sei. Er habe „keinen Ausweg“ gesehen, als „ein Zeichen zu setzen“. Mit solchen Aussagen begründen Attentäter, ganz gleich welche Motive sie treiben, häufig ihr Handeln.

Das Eskalationspotential ist enorm

Schon jetzt lässt sich das mörderische Ausrufezeichen des Mannes als ein Symptom der Gegenwart lesen, das alarmierend auf das Eskalationspotenzial unter anderem der „Querdenker“ weist. Deren Spannweite ist groß, sie reicht von harmlosen Homöopathie-Gläubigen und schrulligen Esoterikern bis zu zornbrodelnden Demokratiefeinden mit Generalgroll. Gemeinsam ist den meisten eine tiefe Ambivalenz, auf die sie allerdings gar kein Monopol besitzen.

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Pfeile der Klagen über die Gegenwart, nicht allein wegen Corona, fliegen in zweierlei Richtungen. Einerseits fühlen sich viele Leute „zu sehr gegängelt“,........

© Der Tagesspiegel


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