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War Napoléon I. nun ein Rechter oder ein Linker?

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04.05.2021

Es war kein Streit, eher ein kleiner Disput bei uns am Frühstückstisch: Wird das französische Schmorgericht "Marengo", das nach der Schlacht Napoléons I. nahe dem gleichnamigen italienischen Örtchen vom 14. Juni 1800 benannt ist, nun ursprünglich mit Huhn oder Kalbsfleisch zubereitet?

Der Legende nach musste Napoléons Küchenchef Dunant nach dem Sieg über Österreich improvisieren, weil der Versorgungstross verloren gegangen war – und zauberte aus allem, was die Soldaten ranschaffen konnten - Hühner, Tomaten, Eier, Flusskrebse - ein neues Gericht. Später soll das Huhn durch Kalbfleisch ersetzt worden sein, und heute existieren „Poulet Marengo“ und „Veau Marengo“ friedlich nebeneinander.

Weniger versöhnlich geht es bei der Debatte um das Geschichtsbild des französischen Feldherren und Kaisers zu, die im Jubiläumsjahr 2021 wieder aufflammt: Sie fing direkt mit Napoléons Tod vor 200 Jahren, am 5. Mail 1821 im Exil auf St. Helena an. Die Frage ist: War er nun ein Revolutionär, der die Werte der Aufklärung und Revolution gesichert und die Modernisierung des Staaten vollendet hat – oder ein frauenfeindlicher Despot und Kriegstreiber?

Alle Männer sollten gleich sein - aber nicht die Frauen

„War er rechts oder links?“, bringt die französische Zeitung „Le Monde“ es auf den heutigen Punkt, ohne eine eindeutige Antwort geben zu können. Und das ist gut so! Geradezu eine Wohltat in diesen Zeiten der Polarisierung, dieser neuen Sucht nach dem Eindeutigen, das so wenig dem menschlichen Wesen entspricht.

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Napoléon hat........

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